Bedeutungsschwangerer Titel für einen Konzerthaus-Abend im Zyklus großer Stimmen: "Mozart-Arien, Höhepunkt einer Weltkarriere". Hommage an eine Abgetretene? Erinnerungen an eine vergessene Bühnenlegende?

Ganz und gar nicht. Stattdessen durfte sich das begeisterte Publikum überzeugen, wie sehr sie ihr Publikum in den Bann zu ziehen weiß, und zwar seit Jahrzehnten: Edita Gruberová.

Stimmwunder der Klassik

Da mag der eine die stellenweise flache Intonation bemängelt haben, da mag die andere über das allzu rasante Tempo des größtenteils wunderbar begleitenden Münchener Kammerorchesters gemäkelt haben (dazwischen unterhielten die Bayern mit Mozart-Ouvertüren bis Tänzen). Was bleibt, ist die Erinnerung an eine weitere unnachahmlich persön-
liche Begegnung mit einer
der großen Bühnenlieblinge, mit dem Stimmwunder der Klassik. Gruberovás Schaffen lässt sich irgendwie schon sensationslüstern bestaunen.

Wie anders ließe sich festhalten, dass sie seit Anbeginn ihrer schon sehr langen Karriere nichts an der Flexibilität in ihrem Stimmumfang eingebüßt hat? Dass sie Figaros Susanna die jugendliche Verve und den Esprit verlieh, der viele nachkommende Kolleginnen verlegen macht? Das war gelebter Mozartgeist! Ihre Fiordiligi (die in der "Temerari"-Arie aus "Così fan tutte" eine Ausgeburt an Anstand war) genoss das Spiel der tiefen Mittellage. Konstanzes Traurigkeitsarie ("Entführung aus dem Serail") lebte vor emotioneller Intensität, die Klarheit im Diskant der "Martern"-Arie ließ nur staunen. Große Dankbarkeit im Saal.

Konzert

Edita Gruberová

Münchener Kammerorchester

Douglas Boyd (Dirigent)

Werke von W. A. Mozart

Wiener Konzerthaus