Das RSO ist derjenige unter den Wiener Klangkörpern, der sich jenseits von Lippenbekenntnissen für die Moderne zuständig fühlt. Dabei wird dieser Begriff durchaus breit gefasst: Neben der unmittelbaren Gegenwart präsentiert das Orchester häufig gemäßigt Modernes - und das mit Recht, ist doch das symphonische Schaffen des 20. Jahrhunderts im Konzertbetrieb nach wie vor unterrepräsentiert.

Auch ein Stück wie das Dritte Klavierkonzert von Sergej Prokofjew, das am Donnerstag im Konzerthaus auf dem Programm stand, muss wohl der Moderne zugeschlagen werden, auch wenn es mit seiner der Filmmusik nahestehenden Klangsprache häufig die Kitschgrenze überschreitet. Ein dankbares Bravourstück könnte es dennoch abgeben, würden Solist und Orchester wie die Räder eines Uhrwerks ineinandergreifen. Doch genau dies war nicht der Fall: Die Maxime bei diesem Parforceritt lautete offenbar "oben bleiben", und so strudelten Tzimon Barto und das RSO durch unwegsames Gelände und ähnelten dabei einem Reiter, der schon reichlich schief im Sattel sitzt.

Besser hatte Cornelius Meister sein Team bei der Vierten Symphonie von Johannes Brahms im Griff: duftig schwebend der Beginn des ersten Satzes, als sollte das 19. Jahrhundert von seiner Schwere, seinem Pathos befreit werden. Gänzlich schwerelos und in jeder Hinsicht lohnend war die Uraufführung von "Mouthpiece XX" der Amerikanerin Erin Gee, die die klanglichen Möglichkeiten des Mundes auf das Orchester projiziert. Ergebnis ist eine Musik ohne große Gesten, die gerade wegen ihrer Unvorhersehbarkeit eine wache Aufmerksamkeit erzwingt.

Konzert

RSO Wien

Cornelius Meister (Dirigent) Konzerthaus