Galten symphonische Werke unter 80 Minuten Dauer einst als Petitessen, so wird die "Neue" Musik der Post-Darmstadt-Generation bevorzugt in kleineren Dosen verabreicht. Nun hat sich das Klangforum Wien in seinem aktuellen Zyklus der musikalischen "Langstrecke" verschrieben - ohne das immer noch vertraute Bezugssystem der Tonalität keine leichte Vorgabe.

Die Zwischenbilanz am vierten Abend der Serie fällt durchaus positiv aus: Wirklich langweilig wird einem während der immerhin knapp einstündigen Zweiten Kammersymphonie "A végsö Tavasz" ("Ein letzter Frühling") von Jorge E. López jedenfalls nie. Satzinterne Zäsuren zerreißen allerdings den musikalischen Verlauf und erschweren das Erkennen einer übergeordneten Struktur. Doch die gehäuft auftretenden Zitate - allen voran das Scherzo aus Mahlers Erster Symphonie - integrieren sich erstaunlich gut in López’ eigene Sprache, und der hohe Aktivitätspegel hält die Aufmerksamkeit wach. Ein polyphones Nebeneinander individueller Stimmen, von denen sich scheinbar jede - einschließlich Eva Nievergelts gebieterischer Sopranstimme - gegen die anderen behaupten will, trägt zum aggressiven Gesamteindruck bei, der nicht zuletzt von der konzentrierten Energie der Musiker unter Emilio Pomàrico getragen wird.

Auch im langsamen Mittelteil lassen perkussive Ausbrüche erahnen, dass der Friede ein fauler ist. Ob die zahlreichen Anklänge an Ungarisches in der teils katastrophisch anmutenden Komposition als Kommentar zur politischen Lage im Nachbarland zu hören sind, bleibt der eigenen Wahrnehmung überlassen.

Konzert

Klangforum Wien

Wiener Konzerthaus