Philippe Herreweghe gastiert nicht allzu oft im Konzerthaus, und wenn, dann meist mit seinem Alte-Musik-Ensemble Collegium Vocale Gent und mit Werken Johann Sebastian Bachs. Schade eigentlich. Denn es lohnt durchaus, den Belgier mit klassischem Repertoire und einem traditionellen Orchester zu konfrontieren. Der Gewinn, den der Einfluss historisch informierter Aufführungspraxis für den Klassikbetrieb bedeutet, ist vielfach erprobt, aber darum nicht weniger wirkungsvoll: Eine abgespeckte Spielweise, die auf Transparenz statt Opulenz setzt und auch in der so sehr auf Balance fußenden Musik der Klassik die Kanten und Brüche herausmeißelt.

So ließ die Camerata Salzburg unter Herreweghes Leitung die Akzente in Beethovens "Coriolan"-Ouvertüre mit toscaninischer Schärfe hervortreten, um im Gegenzug das Seitenthema umso weicher zu modellieren. Ein weiteres Charakteristikum historisierender Aufführungen, die Schnelligkeit, kennzeichnete nach der Pause Herreweghes "Eroica"-Interpretation: Flugs huschte unter Beherzigung von Beethovens Metronomangaben der Kopfsatz vorbei, wobei die Camerata mit ihrer uneitlen Präzision hinter keinem Originalklangensemble zurückstehen musste. Als stilistischer Fremdkörper stand zwischen den beiden Werken Chopins Zweites Klavierkonzert. Doch von Fragen programmtechnischer Schlüssigkeit einmal abgesehen, schuf Alexander Lonquich mit differenziertem Anschlag einen Kosmos von Nuancen zwischen exzentrischer Thematik und beiläufig hingetupften, dabei stets durchsichtigen Verzierungen. Ein Konzertabend im Zeichen der Klarheit.

Konzert

Camerata Salzburg

Wiener Konzerthaus