Dem Blues ist eigentlich die Zeit der Vergangenheit eigen. Deshalb überrascht das neue Album von Gallon Drunk von Beginn an, da es mit einem ausufernden Gestus anhebt, als sei es seit jeher Aufgabe der Londoner, die Grenzen der Zeit auszuloten. Überdies erfüllt die Band wunderbar das Klischee, dass Blues dreckig, nach Alkohol und Zigarettenqualm in schmutzigen Bars klingen muss.

Mit Ausnahme vielleicht von "Fire Music" (2002) war es noch nie die Sache von Gallon Drunk, Zuhörerohren zu schmeicheln. Mit kompromissloser Intensität wurde stets der bequemen Konsumentenästhetik getrotzt. So rotzig wie schon das Debut "You, The Night . . . And The Music" (1992) gibt sich nun auch "The Soul Of The Hour", um sich damit nahtlos in das Gesamtwerk zu fügen. Das Titelstück erinnert gar an jazzige Noise-Eskapaden, die etwa durch J.G. Thirlwell (Foetus) mittlerweile zum enervierend aufregenden Ton etablierter Independentmusik gehören. Dass der Musikgeschichte damit nichts Neues hinzugefügt wird, dürfte die Band um Sänger James Johnston kaum stören. Zeitlosigkeit zu inszenieren, ist auch eine Kunst.

Gallon Drunk: The Soul Of The Hour. (Clouds Hill/Rough Trade)