Amore: Maija Kovalevska schnäbelt mit Yosep Kangs. - © STOP/Pöhn
Amore: Maija Kovalevska schnäbelt mit Yosep Kangs. - © STOP/Pöhn

Dass Schwindsucht noch immer so viel Vergnügen bereiten kann. Puccinis Partitur zur "Bohème" verbreitet wirklich immer Freude. Dann noch in den ewig schönen Staatsopern-Bildern Franco Zeffirellis zu bewundern - aktuell ging der Fixstern am Repertoirehimmel im Haus am Ring zum frischen 406. Mal über die Bühne.

Dann noch frischer, finnischer Dirigentenwind gemacht, und es war kein Ende des Staunens in Sicht. Noch besser: Vor lauter visueller und auditiver Effekthascherei (im positiven Sinn) blieb manch kritische Beschäftigung mit dem Ensemble gern auf der Strecke. Maija Kovalevska versah ihre Mimì mit dem unnachahmlichen Vibrato ihres beliebt kraftvollen Soprans - während die ersten Bilder noch ein wenig steif abliefen, waren gerade ihre Leidensszenen voller echter Gefühle.

Wie wenig konnte Yosep Kangs Rodolfo mit seinem korrekten, fast geradlinigen Tenor diesem Leid entgegenhalten (zauberhaft eiskaltes Händchen).

Fast familiär geriet das Wiedersehen mit Alessio Arduini (Schaunard), Jongmin Park (Colline) und natürlich dem großbürgerlichen Benoit von Publikumsliebling Alfred Sramek. Gewohnt energisch, quirlig, voller Witz gelang Valentina Nafornita ihre Musetta. Die dem authentischen Sängerhöhepunkt des Abends gut zu Gesichte stand: Adrian Eröd überzeugte in bester Kondition mit hörbar gereifter, lockerer Kehle als echt impulsiver Maler Marcello.

Damit zum eigentlichen Aufputz der soliden Repertoirevorstellung: Am Pult des Staatsopernorchesters überzeugte der finnische Jungdirigent Mikko Franck. Mit jeder Menge Vehemenz versehen trieb er das Ensemble flott voran, pfiffige Tempi wechselten sich mit schön changierenden Stimmungswechseln ab. Franck feierte ein gelungenes Hausdebüt, man darf auf weitere Besuche in Wien gespannt sein.

Oper

La Bohème

Von Giacomo Puccini

Mikko Franck (Dirigent)

Staatsoper