Vor zweieinhalb Jahren war Brittens Geisteroper "The Turn of the Screw" im Theater an der Wien zu sehen, wo Regisseur Robert Carsen die Gespenstererscheinungen in der Psyche der Gouvernante verortete. Solche interpretatorischen Klärungen lieferte die Aufführung im Konzerthaus freilich nicht, wodurch die Ambivalenzen der Handlung unaufgelöst blieben.

Abgesehen davon, dass die von Roy Macdonald geleitete konzertante Umsetzung nolens volens bloß ein umrisshaftes Bild dieses Musiktheaters vermitteln konnte, bestach sie durch hohe musikalische Qualität. Die Sängerriege wurde von Mark Padmore angeführt, dessen lyrisch lockender Tenor dem toten Diener Quint als bedrohlichem Fluchtpunkt der Handlung ein exquisites Klanggewand verlieh - überhaupt stellt diese Oper ein Paradebeispiel dafür dar, wie sich Abgründiges in raffinierte Klänge kleiden lässt.

Klangschön


So auch im Fall von Miah Persson, deren fragiler Sopran dem Charakter der moralisch gefährdeten Gouvernante einen adäquaten Ausdruck verlieh. Das hohe Niveau erstreckte sich bis zu den "Einspringern" - dem souveränen Knabensopran des 13-jährigen William Gardner und dem kräftigen Mezzo der Anne-Marie Owens. Tadellos die Leistung des Wiener Kammerorchesters, das der komplexen Partitur mit solistischer Virtuosität gerecht wurde.

Auch wenn diese musikalische "Lesung" die Atmosphäre dunkler Anfechtungen und verleugneten Begehrens nur bedingt transportieren konnte, ermöglichte sie doch eine klangschöne Begegnung mit einem Klassiker.

Konzert

The Turn of the Screw

Konzerthaus