Es war ein Konzertabend im Zeichen der Balance - ein ausgewogenes Vermitteln zwischen kulturellen Sphären, wie es der diplomatischen Zunft alle Ehre machen würde: Das San Francisco Symphony begann den ersten Abend seiner Konzerthaus-Residenz mit dem Amerikaner Henry Brant, ging zu Prokofjew über und endigte mit Berlioz.

Die Diplomatie lebt bekanntermaßen von symbolischen Gesten - als solche erschien auch das Eröffnungsstück "The Alcotts", der dritte Satz aus Brants Bearbeitung von Charles Ives’ "Concord Sonata". Die epigrammatische Kürze dieses "Starters" stand in einem gewissen Missverhältnis zu seiner opulenten Klangsinnlichkeit, die Ives’ Modernismus gewissermaßen zum Ohrenschmaus für musikalische Gourmets aufrüstete. Das Orchester präsentierte sich als kolossaler Klangkörper von homogenem, flächigem "Sound", der auch bei Berlioz’ "Symphonie fantastique" zum Tragen kam, welche den hervorragenden Bläsern nebenbei ein dankbares Podium bot. Dieselbe Ausgewogenheit, die die Programmgestaltung zu bestimmen schien, äußerte sich auch im Dirigat von Michael Tilson Thomas, was die grotesken Seiten der Komposition ein wenig zu kurz kommen ließ.

Atemberaubend virtuos


Den Gipfel der Contenance bildete indes Prokofjews Erstes Violinkonzert, dessen Solopart Julia Fischer mit blitzsauberem, stets kontrolliertem Ton und staunenerregender technischer Perfektion absolvierte. Auch wenn hin und wieder der Wunsch aufkeimte, die Deutsche möge die Zügel etwas lockerer lassen, erntete Fischers Spiel Jubel - auch in Hindemiths Sonate op. 11 Nr. 6, einer Zugabe von atemberaubender Virtuosität.

konzert

San Francisco Symphony

Wiener Konzerthaus