"Politik wird folgen": Intendant Matthias Naske. - © Herbert Neubauer
"Politik wird folgen": Intendant Matthias Naske. - © Herbert Neubauer

Wien. (irr) Neue Perspektiven im Konzerthaus: Nicht nur, dass die kommende Saison ausnahmsweise im "schönsten Zimmer" des Hauses vorgestellt wurde, nämlich auf der großen Bühne. Auch das Programm beschert neue Aussichten. Es ist das erste, das von Intendant Matthias Naske stammt.

Der will die Vielseitigkeit des Hauses mit vier Porträtreihen betonen: Umfassend präsentiert werden dabei der jazzige Kontrabassist Georg Breinschmid, die Geigerin Patricia Kopatchinskaja, der Samtbariton Matthias Goerne sowie Jungdirigent Robin Ticciati: Der 30-Jährige wird unter anderem mit dem Concertgebouworchester auftreten. Weiteres Novum: Die Partnerschaft mit den Wiener Symphonikern wird gestärkt und wächst um ein neues Konzertformat: "Fridays@7" soll "knackige", kurze Auftritte bieten, ergänzt um intime Zugaben im Foyer.

Weitere Neuigkeiten: Der Zyklus "Meisterwerke" (mit fünf Konzerten der Wiener Philharmoniker), ein Abo mit "Wiener Liedern" sowie das Zweitage-Festival "Gemischter Satz": Künstler verschiedenster Provenienz werden das Haus dabei flächendeckend bespielen und damit einmal mehr dessen Pluralismus herausstellen. Buchstäblich ungewohnte Wege geht man im Zyklus von Schlagwerk-Star Martin Grubinger: Zu dessen Spiel werden "Freerunner" durch den großen Saal tollen und damit womöglich ein neues Publikum ködern. Und um an die "Lebenswirklichkeit" der Wiener anzudocken - dies ist Naskes Credo -, erhalten auch "Local Heroes" wie die groovenden Sofa Surfers einen Zyklus. Freilich: Auch ein Abo mit Gastorchestern wird es wieder geben. Naske verzichtet dabei auf die Ambition, sich mit dem Goliath Musikverein messen zu wollen. Nichtsdestoweniger sollen die neun Termine "krachen". Unter den Gästen: das Mariinski und das Cleveland Orchestra.

Und wie steht es an der Budgetfront? Leider unverändert karg: Die Umbauschulden lasten immer noch auf dem Haus, die Subventionen bleiben eingefroren. Dennoch zeigt sich Naske diesbezüglich entspannter als noch bei seinem Dienstantritt im Vorjahr: "Entweder man verfällt in Resignation oder positioniert sich noch stärker bei den Menschen. Es ist klüger, auf die Menschen zu bauen. Die Politik wird irgendwann folgen."