Hörerherz, was willst Du mehr: Sonntagvormittag in der Konzerthausgesellschaft, die Wiener Philharmoniker präsentierten die wahrscheinlich Wienerischste Symphonie der ausgehenden Gründerzeit. Anton Bruckners Achte, die c-Moll, dann noch auf eine Weise interpretiert, die klarmachte, warum sie von der Uraufführung an der wohlverdiente, späte Triumph des Ansfeldeners wurde.

Nicht, dass der Auftakt ein fulminanter gewesen wäre. Kurzzeiteinspringer Jaap van Zweden (zuerst Geiger, begann der Holländer seine Laufbahn als jüngster Konzertmeister des Concertgebouw-Orchesters, heute leitet er unter anderem das Dallas Symphony Orchestra sowie die Philharmonie Hong Kong als Chefdirigent) ließ das Eröffnungsallegro mit wunderschön gehaltenen Tempi gedrosselt wachsen, das Ensemble suggerierte wirklich viel Einsamkeit. Und einsam tröteten die schräg intonierenden Bleche immer wieder in das Geschehen.

Zweiter Satz, Scherzo, und es ging noch ein wenig inhomogen im Gesamtaufbau zu.

Das eigentliche Staunen machte der per se unglaubliche dritte Satz, das Adagio. Wie ehrlich van Zweden das Ensemble immer und immer intensiver in die Tiefe und in die Breite gehen ließ, der Aufstieg Richtung Höhepunkt wies echte Reife, die gern gesuchte "Lebenserfahrung" auf. Da hätte Anton Bruckner einmal mehr seine Freude mit dem Orchester gehabt.

So gestärkt, kosteten die philharmonischen Freunde das feierliche Finale voller Inbrunst aus.