Wie viele verschiedene Pop/Rock-Klangfarben kann ein Trio erzeugen? Dieser Frage scheinen Shonen Knife seit ihrer Gründung 1981 in verschiedenen Formationen nachzugehen. Die Frauenband aus Osaka bespielt die Bandbreite von Girlgroups der 60er Jahre bis hin zu den Ramones, denen sie 2011 mit dem Album "Osaka Ramones" eine Hommage erwies. Ihre Musik klingt so lebhaft wie diejenige der Shangri-Las, Shirelles oder Su-premes, gewürzt mit einer Fun-Punk-Attitüde, dass einem das Lächeln nicht mehr aus dem Gesicht weichen will. Mit dem Album "Pretty Little Baka Guy" (1986) wurden die Japanerinnen auch außerhalb ihres Heimatlandes bekannt. Gegen Ende der 80er Jahre spielten sie zusammen mit Sonic Youth eine Jam-Session, 1991 tourten sie mit Nirvana durch Großbritannien. Kurt Cobain war ein erklärter Fan ihrer Musik.

Auf ihrem mittlerweile zwanzigsten Album, "Overdrive", wenden sich Shonen Knife dem Hardrock der 70er Jahre zu. Das kosmische Zentrum der Spaßmusik bildet nach wie vor Gitarristin und Sängerin Naoko Yamano, die nicht nur eine Vorliebe für die Ramones oder die Buzzcocks hegt, sondern ebenso Black Sabbath, Motörhead oder Judas Priest verehrt. Seit 2006 agiert Ritsuko Taneda, die Gründungsmitglied Atsuko Yamano ersetzte, am Bass.

Mit Emi Morimoto, die wiederum erst seit 2010 für die Band am Schlagzeug sitzt, ist das aktuelle Line-up komplett. Die verschiedenen Besetzungswechsel haben Shonen Knife nicht geschadet, haben sie doch ein Auf-der-Stelle-Treten verhindert. Dennoch muss der Hörer auch beim neuen Album auf nichts verzichten, was das Trio auszeichnet: eine frische, naive Ursprünglichkeit, die niemals in Versuchung gerät, sich selbst zu reflektieren. Das Geheimnis ihres unverbrauchten Klangs liegt in der Liebe dieser Band zum Banalen.

In den zehn Songs von "Overdrive" geht es um "Fortune Cookies", "Shopping" oder "Green Tea". Die gute Laune, die dabei verbreitet wird, hat etwas Frivoles - da man sich eben nur allzu leicht von einer sorgenfreien Welt entzücken lässt.