Facettenreich: Prohaska. - © Holger Hage/DG
Facettenreich: Prohaska. - © Holger Hage/DG

"Die Feinde schon weichen, wir schießen da drein; Welch’ Glück sondergleichen, ein Mannsbild zu sein!", singt Anna Prohaska. In zwanglos an eine Uniform gemahnender Gewandung steht sie auf der Bühne des Mozartsaales und ist mit Haut und Haar Clärchen, die Geliebte Egmonts aus Beethovens gleichnamiger Schauspielmusik. Die junge Sopranistin, sensibel sekundiert vom Pianisten Eric Schneider, mimt die naive Kriegsbegeisterung der Bürgerstochter mit jener bedingungslosen Hingabe, mit der sie den gesamten Abend bestreiten wird. Dieser trägt den Titel "Hinter den Linien" und ist Prohaskas Beitrag zum heurigen Kriegsgedenkjahr.

Es geht um die kompositorische Auseinandersetzung mit dem Thema Krieg, dessen traurige Universalität eine große stilistische Bandbreite zur Folge hat: vom elisabethanischen Ayre aus der Feder von Michael Cavendish bis zum Neoexpressionismus eines Wolfgang Rihm. Damit beweist die Konzerthaus-Debütantin mehr als nur das Geschick, dem omnipräsenten Weltkriegsrummel eine interessante Facette abgerungen zu haben. Denn bei diesem Programm, das bereits auf einer CD dokumentiert ist, stimmt einfach alles: Prohaska besitzt sowohl waschechtes dramatisches als auch komödiantisches Talent, ohne Scheu vorm Grotesken ausgespielt etwa in Hanns Eislers "Kriegslied eines Kindes".

Edler Sopranglanz, krudes Brustregister


Sie besitzt ferner eine ohne jede Künstelei wohlklingende Stimme, die sie nicht mit dem Ziel klanglicher Homogenität einsetzt, sondern im Sinn einer möglichst facettenreichen Interpretation. Vom edlen Sopranglanz wechselt sie in Eislers "Panzerschlacht" virtuos zur ungeschönten Sprechstimme, scheut weder gehauchte Töne noch das krude Brustregister. Zu allem Überfluss sind die Lieder teils bis aufs Wort aufeinander abgestimmt - so folgt etwa auf Eislers Schlussworte "meine Mutter wird Soldat!" die Verszeile "Wenn meine Mutter hexen könnt" in Hugo Wolfs Mörike-Lied "Der Tambour". In der unmittelbaren Abfolge der Stücke weiß man mitunter nicht, welche Note noch zu Cavendish gehört und welche schon zu Schubert.

Ein Konzeptabend wie aus einem Guss, den die Sängerin auf bemerkenswerte Weise mit Leben erfüllt.

Konzert

Anna Prohaska

Wiener Konzerthaus

CD: "Hinter den Linien" (DG/Universal)