Wer in Sachen elektronische Musik weniger bewandert ist, mag bei dem Namen Philipp Quehenberger an die Band Mäuse denken, die er seit einigen Jahren am Keyboard begleitet. Doch selbst wenn man eine Liebe zur elektronischen Musik hegt, ist es nicht selbstverständlich, dem Tiroler zu begegnen, es sei denn, man hatte die Gelegenheit, eines seiner Konzerte im Rhiz oder Celeste erleben zu dürfen. Denn erst 2007, im Alter von dreißig Jahren, legte Quehenberger mit "Phantoms in Paradise" sein Debüt als Solokünstler bei Editions Mego vor. Mit "Content" veröffentlicht der Wahlwiener nun seinen dritten Streich.

Dabei begann alles sehr früh: Quehenbergers Vater war Jazzmusiker und besaß eine stattliche Anzahl an Instrumenten, an denen sich der Knirps austoben konnte. Die Folge war ein Musikstudium am Innsbrucker Konservatorium. Quehenberger experimentierte mit verschiedenen Genres: Hardcore, Punk, Metal, Jazz, Techno. Ende der 1990er Jahre verlegte er seinen Lebensmittelpunkt nach Wien. Hier ergaben sich Kollaborationen mit Didi Kern und Bulbul.

Quehenberger spezialisierte sich in seinem Solowerk auf die Synthese von Keyboardsounds und Computerklängen. Was sich auf der einen Ebene als freie Jazzimprovisation präsentiert, wird auf der anderen Ebene durch eine trancehafte Rhythmik gefestigt, sodass die freien Töne nicht ins Nirgendwo abdriften. Fast jedes Stück entwickelt eine sogartige Faszination jenseits des Rationalen. Dies ist auf "Content" nicht anders. Bei "Deadline" wird das Unbewusste von einem wummernden Beat angesprochen, bei "For Real" von einem Metalrhythmus. Weniger improvisatorischen Charakters, vermittelt das Album die Stimmung einer Disco Noir. Wenn auch das Unbewusste tanzt, so werden die musikalischen Verspieltheiten etwas dezenter eingesetzt als auf den Vorgängern. Gleichwohl bleibt die LP für jeden, der gern die Elektroclubs Wiens oder anderer Städte besucht, eine klare Empfehlung.

Philipp Quehenberger: Content. (Editions Mego)