Es muss das pure Vergnügen sein, vor den Wiener Philharmonikern zu stehen und Bruckners "Romantische" zu dirigieren. Und wenn man dann als Dirigent noch dazu ziemlich genau das Gleiche will, was auch sie im Sinn haben. Daniel Barenboim hat sich, so locker er die Zügel auch gehalten hat am Mittwochabend im Großen Festspielhaus, da und dort doch mit Bestimmtheit eingebracht, was sich in mancher rhythmischer Akkuratesse abgezeichnet hat.

Licht in die Harmonie bringen

Gedenken war angesagt an diesem Abend: für Lorin Maazel, für den Beginn des Ersten Weltkriegs und für die Opfer im Gaza-Konflikt. DeshalbeineSchweigeminute nach der Maurerischen Trauermusik c-Moll KV 477, die Barenboim in so breitem Strom hat fließen lassen, wie er eben Mozart mag - und wie ihn, aufrichtig gesagt, ja auch die Mehrheit des Publikums gar nicht ungern in die Ohren fließen lässt.

Eine Rarität: Das Requiem op. 144b auf einen Text von Friedrich Hebbel von Max Reger, eines seiner letzten vollendeten Werke. Placido Domingo war aufgeboten für das im Lauf der Viertelstunde drei Mal wiederkehrende "Seele vergiss sie nicht, Seele, vergiss nicht die Toten!" Ein Werk freilich, das damals, 1911, doch schon recht aus der Zeit gefallen war. Ob man im Klangbild mehr rausholen, ob essich auszahlte, mehr Licht in die dickliche Harmonie zu bringen? Die Tiefenschärfe war Barenboims Sache jedenfalls nicht. Vielleicht sollte man das Reger-Requiem in Gedanken vormerken für 2016 (zum 100. Todestag). Es dann noch einmal auf den Prüfstand zu stellen, wäre einen Versuch wert.