Bayreuth. Die Wege zu den Bayreuther Festspielen führen so oder so über Beziehungen. Bevor sich am heutigen Freitagnachmittag der Vorhang zu "Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg" hebt, haben schon rund 14.000 Zuschauer das Programm der 103. Spielzeit genossen, das neben neben dem Ring und "Tannhäuser" auch "Der fliegende Holländer" und "Lohengrin" umfasst. Sie konnten mindestens eines der Tickets für die sieben Generalproben ergattern. Damit ist schon rund ein Fünftel des heurigen Bayreuth-Publikums versorgt; das Kontingent für die regulären Aufführungen während der 30 Festspieltage beläuft sich auf noch einmal rund 58.000 Eintrittskarten.

2011 wurde bekannt, dass nicht einmal die Hälfte der Tickets in den freien Verkauf gelangte und knapp 60 Prozent der Eintrittskarten in Form von Kontingenten besonderen Zielgruppen zur Verfügung gestellt wurden. Im Aufschrei über diese fragwürdigen Vergabepraktiken ging nahezu unter, dass die (an sich unverkäuflichen) Billets für die Generalproben unter der Hand oft zu horrenden Preisen gehandelt wurden. Den Schwarzhändlern wurde es nicht zuletzt durch vergleichsweise lässige Kontrollen bei der Ausgabe der Eintrittskarten sehr leicht gemacht.

Wer die begehrten Tickets bekommt

Die Festspielleiterinnen Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier haben aus allem ganz offensichtlich gelernt. Hauptvermittler von Tickets für die Generalproben sind die Mitwirkenden der Festspiele. Je nach Dauer der Zugehörigkeit zum Bayreuther Ensemble und ihrer Stellung darin haben sie ein Anrecht auf eine bestimmte Zahl von Tickets. Diese werden ihnen nach dem Zufallsprinzip zugeteilt, müssen innerhalb weniger Minuten im Internet auf den Namen des Generalprobenbesuchers aktiviert werden und gelten nur für die eingetragene Person. Das ausgedruckte Ticket ist vom Mitwirkenden eigenhändig mit dem Namen des Generalprobenbesuchers zu versehen und von diesem zu unterschreiben, am Eingang hat er seinen Pass oder Personalausweis vorzuweisen. An manchen Stellen im Festspielhaus wird die Identität auch vor Beginn einzelner Akte nochmals überprüft. Die Zahl der Generalprobenbesuche ist je Person limitiert.

Der Stralsunder Restaurator Gerd Meyerhoff hat es diesmal in vier Generalproben geschafft. Er bezieht die Karten seit Jahren über einen befreundeten Kulissenschieber, der allerdings heuer nicht mitwirkt. "Früher war das alles deutlich großzügiger", bestätigt Meyerhoff die Änderungen bei der Kartenvergabe. "Ein bisschen Bayreuth für Arme", nennt er selbstironisch das, was sich vor dem offiziellen Beginn der Festspiele auf dem grünen Hügel tut. Allerdings schätzt Meyerhoff, der in den vergangenen Jahren auch immer wieder reguläre Aufführungen besucht hat, genau diese Atmosphäre. Nett und familiär sei es eben "ohne Kanzlerin und die ganzen hohen Tiere", sagt der Mann, der ausgerechnet im Wahlkreis von Angela Merkel zuhause ist.