(kriech) Nachtigall: So heißt der Sonderpreis der Deutschen Schallplattenkritik, der dem Bariton Christian Gerhaher nach seinem Liederabend am Dienstag in Salzburg verliehen wurde. Ein winziges goldenes Vögelchen, das optisch die Dimensionen im Haus für Mozart wieder ins Maß gerückt hat. Zuvor nämlich hätte man glatt vergessen können, wo man sitzt. Wollte man Gerhahers Lieder-Singen beschreiben, dann könnte man ja sagen: Er versteht es, diese Kleinformen auch im riesigen, für das Genre denkbar unpassenden Raum so zu gestalten, dass man dem Interpreten allein gegenüber zu sitzen meint.

Prometheus mag ein gewaltiger Kraftlackel gewesen sein in den Vorstellungen der Antike. Wie Gerhaher diese Figur anlegt, ist er kein Muskelprotz, sondern ein wortkräftiger Rhetoriker. Mit Zeus, der seiner Meinung nach so gar nichts für Prometheus’ Fortkommen geleistet hat, hat dieser Mann eine Rechnung offen. Das kommt gefährlich, weil eben höchstens halblaut. Und in ein weiches Timbre eingebettet. Immer wieder verblüfft, wie Gerhaher die Konsonanten abspricht, wie er die Kantilene scheinbar zugunsten deklamatorischer Deutlichkeit aufbricht - und doch wird jede Phrase gerundet, weil Melodien für ihn eben und vor allem Kopf-Sache sind.

In Gerold Huber hat er längst den kongenialen Mitgestalter gefunden. Diesmal eine Goethe-Auswahl, von Schubert und von Wolfgang Rihm. Ein ganz sperriger Zyklus ist dessen 2012 komponierte "Harzreise im Winter", die Gerhaher als österreichische Erstaufführung vorgestellt hat. Der Geier dort ist in Gerhahers Schilderung ein elegantes Federvieh, die Raben sind es im "geselligen Flug" (Schuberts "Sehnsucht") sowieso.

Liederabend

Christian Gerhaher (Bariton)

Salzburger Festspiele