Unwissenschaftlich gesagt also: Es fährt besser ein?

Ja, es kann verblüffen.

Und worum geht’s in den Vorträgen?

Wir nehmen die Krankheiten der Komponisten als "Aufhänger" für Themen. An jedem Abend tritt ein Hauptredner auf, der den Menschen wirklich etwas beibringen kann. Diesen Samstag ist es Josef Penninger, im März spricht Molekularbiologe Erwin Wagner über Krebs. Wir spielen dann natürlich auch Komponisten, die unter Krebs gelitten haben, wie Johannes Brahms. Dadurch erhält das Ganze eine humanistische Note. Die Ärzte dozieren da nicht abgehoben. Sie reden über die Krankheit eines bestimmten Menschen, die auch Zeitgenossen betrifft. Was wissen wir mittlerweile über dieses Leiden? Hätte der Komponist heute länger gelebt? Mozart hätte es sicher.

Woran ist er eigentlich gestorben?

An Nierenversagen. Höchstwahrscheinlich hatte er eine Streptokokken-Infektion. Sein Immunsystem hat sich daraufhin auf seine Niere gestürzt und diese zum Versagen gebracht. Heute wäre das wohl nicht mehr passiert. Marcus Säemann wird am Samstag darüber reden.

"Musik & Krebs", "Musik & Herzversagen", "Musik & Darmerkrankungen" - die Abende klingen wie ein Abo der Todesarten. An wen wenden sie sich? An Ärzte? Oder an den, nun ja, Normalsterblichen?

An alle. Man muss nicht mehr mitbringen als Freude an der klassischen Musik und ein Interesse an Wissenschaft. Wobei jetzt, beim ersten Mal, naturgemäß und glücklicherweise viele Kollegen kommen. Ich habe den Eindruck, dass die das alle cool finden.

Im 19. Jahrhundert strömten die Bildungsbürger nur so in die Konzertsäle; der Arzt Theodor Billroth war Hobbygeiger und ein guter Freund von Brahms. Sind die heutigen Doktoren immer noch so klassikbegeistert - oder reizt sie eher die Rockmusik?

Ärzte sind weiterhin sehr musikaffin; ich denke, das reißt nicht ab. Ob nun Rock oder Klassik - das ist für mich nur eine Frage der Ausdrucksform.

Sie selbst sind ein besonderes Beispiel: Nachdem Sie Kontrabass und Medizin studiert haben, wurden Sie erst Philharmoniker in München, dann in Wien. Heute arbeiten Sie als Assistenzarzt an der
MedUni Wien. Warum haben Sie die Musikwelt verlassen?

Ich möchte die Erfahrung in den Orchestern wirklich nicht missen. Aber ich denke, meine Begabung liegt mehr in der ärztlichen und wissenschaftlichen Arbeit. Wobei: Ich genieße das Privileg, ab und zu im Orchester der Wiener Staatsoper als Substitut mitspielen zu dürfen.

Hören Sie dort auch manchmal: "Du, mir tut da was weh"?

Ja. Bei Kleinigkeiten kann ich natürlich helfen. Aber man muss sehr aufpassen, die Musiker zu den richtigen Ärzten zu schicken. Und man darf nichts abtun. Musiker haben ein anderes, viel sensibleres Körperverständnis.