Originalklang gibt es nicht. Selbst wenn eine Aufführung noch so exakt den historischen Quellen folgt, ist das ursprüngliche Klangerlebnis unwiederbringlich verloren. Dennoch ist Martin Haselböcks Idee, alle Beethoven-Sinfonien an historischen Aufführungsorten in Wien zu realisieren, erkenntnisreich: Sie zeigt etwa, dass eine Musik, für die heute die Akustik des Musikvereins als angemessen gilt, einst unter höchst unterschiedlichen Bedingungen erklang - von der Halligkeit barocker Säle bis zum Direktschall eines kleinen Theaters wie jenem in der Josefstadt.

Gelegenheitsmusik bringt Geld

Hierfür schrieb Beethoven 1822 die Ouvertüre "Zur Weihe des Hauses", die ebendort die ersten beiden Konzerte des Zyklus’ eröffnete. Beachtlich, wie es der Wiener Akademie gelang, den Streicherklang so zu diminuieren, dass die leiseren alten Holzbläser jederzeit durchdrangen. Spannend auch, wie diese so gar nicht mit dem Gesamtklang verschmolzen. Die Musik zu Goethes "Egmont" vermittelte, unterstützt durch die Rezitation von Hausherr Herbert Föttinger und Bernarda Borbos Sopran, ein heute wenig geläufiges Bild des Komponisten - so auch ein Triumphmarsch und ein Menuett, die diesen als Verfasser anspruchsloser Gelegenheitsmusik zeigten. Die achte Symphonie hatte man schon freier, die tickende "Metronom"-Begleitung im Allegretto geheimnisvoller erlebt. Dies mag der Authentizität jedoch nicht einmal abträglich sein - schließlich hätten die Orchester der Beethoven-Zeit heutigen Perfektionsansprüchen kaum standgehalten.