Es war ein denkwürdiger Abend: Eines der weltbesten Orchester - das Koninklijk Concertgebouworkest - gastierte unter der Leitung von Robin Ticciati, der als großes Kaliber unter den jungen Dirigenten gehandelt wird.

Ergänzen sollte die hochkarätige Besetzung Elina Garanča, die jedoch aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig absagte. Dass an ihrer statt Vesselina Kasarova das Solo in der Kantate "La mort de Cléopatre" übernahm, war der musikalischen Qualität keineswegs abträglich. Berlioz’ lyrische Szene, anno dazumal wegen kompositionstechnischer Kühnheit von der Jury des Prix de Rome abgelehnt, verlangt von der Solistin ein Höchstmaß an Eindringlichkeit. Und dieses bot die Einspringerin auf bemerkenswerte Weise: Mit der Brillanz eines dramatischen Soprans in der Höhe und einer nachgerade tenoralen Tiefe riskierte sie mitunter "hässliche" Klänge, die jedoch von der Expressivität mehr als gerechtfertigt wurden. Eine eindrucksvolle Technik, ein ehrfurchtsgebietendes klangliches Spektrum und eine hingebungsvolle Darstellung sorgten für tosenden Applaus.

Mit dieser Emphase konnte der Rest des Abends schwer mithalten. Doch schien Ticciati schon zu Beginn in Faurés "Pelléas et Mélisande" die unvergleichliche Klangkontrolle des Orchesters demonstrieren zu wollen, indem er diesem Diminuendi bis an die Hörschwelle abverlangte. Bei Ravels "Valses nobles et sentimentales" entwickelten die Amsterdamer eine fließende Leichtigkeit, um in Debussys "La Mer" mit einer Genauigkeit der Linienführung abseits "impressionistischer" Unschärfe zu bestechen.

Konzert

Concertgebouworkest

Wiener Konzerthaus