Zu Zeiten Händels, kann man sich vorstellen, war alles noch eine Spur langsamer. In dieser Hinsicht war die Aufführung des "Messiah" im Konzerthaus ein Blick in die Vergangenheit, denn Eile wurde der Interpretation gleich von Beginn an ausgetrieben. Jedes Instrument wurde erst noch einzeln gestimmt - durchaus verständlich, denn begleitet wurden die Wiener Singakademie und die vier Solisten vom Originalklangensemble Barucco, das sich zum Ziel gesetzt hat, dem Klang des ausgehenden 17. und des 18. Jahrhunderts möglichst nahe zu kommen. Auch in dieser Hinsicht also ein Hauch von Vergangenheit.

Nur das Wesentliche zählt


Die erste Hälfte erstreckte sich über gut neunzig Minuten: Das Sitzfleisch wurde auf die Probe gestellt, doch der wunderbare Chor mit der zarten Begleitung des kleinformatigen Orchesters entschädigte. Nur als Untermalung der solistischen Auftritte hätten die Instrumente klanglich zulegen dürfen. So geriet manch Arie, begleitet nur vom Streichersatz, wie er am dünnsten ist, gar etwas lang. Die Sopranistin Cornelia Horak verstand es da am besten, ihrem Part Lebhaftigkeit einzuhauchen.

Dass auch das "Hallelujah", das man wohl reißerischer anlegen könnte, unspektakulär-schön und klar gegeben wurde, zeigt, dass es sich bei der Reduzierung, der Fokussierung auf das Notwendigste, um eine bewusste Entscheidung des Dirigenten Heinz Ferlesch handelt: Musik, die alles andere als kommerziell sein will, ein Ansatz, vor dem man in Zeiten wie diesen durchaus seinen Hut ziehen darf.

Konzert

Messiah

Von Georg Friedrich Händel

Konzerthaus