Überraschung: François-Xavier Roth brachte den Schlussapplaus nicht etwa zum Verstummen, um eine Zugabe anzukündigen. Der Nachtrag bestand in einem Kompliment. "Wie nah dieses Orchester der französischen Musik ist, fasziniert mich", streut er den Symphonikern Rosen.

Eine schöne Geste, auch wenn man vielleicht nicht ganz so zufrieden war wie der Pariser Maestro. Nach ausgefeilten Programmen mit ihrem neuen Chef Philippe Jordan haben sich die Symphoniker wieder auf ihr Kernland Romantik begeben und dabei auch qualitativ Routine geliefert. Jene Unschärfe, die sich schon anfangs in die Sechzehntelketten der Streicher schlich, wollte auch den Rest von Saint-Saens’ Orgelsymphonie nicht verlassen. Gewiss: Übel klang der Koloss hier nicht, er gloste mitunter dunkelbrahmsig. Von einer Sternstunde blieb der Konzerthaus-Abend aber so fern wie die Orgel (Daniel Roth) von stellarem Schönklang. Daran änderte auch ein brillanter erster Pianist (Bereichsleitung Diskant) nichts.

Respekt aber auch vor Anja Harteros: Der Sopran der 42-Jährigen bohrt sich immer noch wie ein Nagel durch den Orchesterklang, und das Charisma der Deutschen ist so raumgreifend, wie es sich für eine große Tragödin geziemt. In den "Vier letzten Liedern" des Richard Strauss blieben ihre tiefen Töne (so sehr Roth mitunter den Orchesterklang dimmte und dabei an Spannung verlor) aber öfters fahl und mengten sich mit Unschärfen im hohen Register. Fast konsequent, dass davor auch Berlioz’ "Lear"-Ouvertüre unausgeleuchtet wirkte. Dennoch freundlicher Applaus.

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