Wenn im Konzerthaus der "Schnee leise rieselt", dann weiß man, dass Weihnachten ist - genauer: Christmas in Vienna. Auch dieses Jahr haben sich wieder die herausragendsten Musiker versammelt, um, ihrem Können nicht ganz entsprechend, weihnachtliche Töne erklingen zu lassen und dem Publikum, abseits von Krieg und Gewalt, zumindest für zwei Stunden das Gefühl zu vermitteln, dass alles gut ist. Besinnung war angesagt. Thematisch gegliedert, sang man sich von der "klassischen Weihnacht" mit Schubert oder Brahms über die "märchenhafte" mit George Bizet oder Maurice Ravel hin zur "internationalen Weihnacht", bis schließlich der "Höhepunkt" in der "populären Weihnacht" erreicht war, da machte man auch vor dem Ö3-Dauerbrenner "Last Christmas" nicht halt.

Durch die Auswahl der Solisten hat sich ein Osteuropaschwerpunkt ergeben - veranlasst auch durch den Ausfall von Ramón Vargas, der durch den Russen Dmitry Korchak ersetzt wurde. Daneben sangen Artur Rucinski, Natalia Ushakova, Vesselina Kasarova und Sebastian Huppmann, die Wiener Singakademie und die Wiener Sängerknaben, begleitet wurden sie vom Radio-Symphonieorchester. Interessant die Weihnachtslieder aus der Heimat der jeweiligen Solisten, wunderschön die Wiener Singakademie mit Bruckners "Virga Jesse Floruit". Dass sich die Besinnung partout nicht einstellen wollte, lag vor allem an der Aneinanderreihung der vielen kurzen Liedchen mit wenig überzeugenden Arrangements, die das Eintauchen in etwas, das man Weihnachtsstimmung nennen könnte, erfolgreich verhinderte.