Beethovens 9. Symphonie zeichnete sich seinerzeit durch ihre Vorreiterrolle als Symphonie-Kantate aus. Der vokale Part im vierten Satz, damals noch ein Grenzen sprengendes Novum, scheint heute eigentlicher Sinn und Zweck für die Aufführung dieser Symphonie geworden zu sein.

Doch selbstverständlich bietet Beethovens 9. viel mehr als nur die Möglichkeit, Schillers "Ode an die Freude" zu besonderen Momenten mit Brimborium erklingen zu lassen, wenn auch die Silvesteraufführung im Konzerthaus dem eher widersprochen hat. Denn hier waren es nur die Sänger (die Solisten wie der Chor), die die Frage nach dem Grund dieser Aufführung beantworten konnten. Die Wiener Singakademie und die Solisten, Malin Hartelius (Sopran), Marie-Claude Chappuis (Mezzosopran), Jörg Dürmüller (Tenor) und allen voran Matthias Goerne (Bariton) ließen Freude und Gänsehaut aufkommen. Die Symphoniker unter Ton Koopman hingegen ließen die Haare eher im gegenteiligen Sinne zu Berge stehen. Denn Koopman kontrollierte hier offensichtlich nichts mehr, seine hektisch wirkende Art übertrug sich auch auf das Werk, der Rhythmus hatte schwer zu leiden. Dass die Geigen ständig davonlaufen wollten, schien zwar verständlich, doch dass Koopman sie laufen ließ, war doch erstaunlich. Dem dritten Satz konnte er keine Form geben, dieser zerfiel in seinen Händen, den vierten zerhackte er kurzerhand aus eigener Kraft in seine Einzelteile - ohne erkennbaren musikalischen Beweggrund. Ein eher freudloser Jahresausklang.