Erst vergangenen Sommer hatte Wolfgang Rihm die Welt mit zwei neuen Werken für Soloinstrument und Orchester beschenkt, die ganz ungeniert die Gattungsbezeichnung "Konzert" im Titel führen. Anders als Kollegen, die in zitathafter Manier auf die Vergangenheit anspielen, kommt der Traditionsbezug bei dem deutschen Komponisten ohne ironische Brechung aus.

Sein Werk für Violine und Orchester, das am Freitag im Konzerthaus uraufgeführt wurde, vermeidet die explizite Gattungszuordnung: Vielmehr schließt das mit "Gedicht eines Malers" überschriebene Stück an Rihms Anne Sophie Mutter und Carolin Widmann auf den Leib komponierten Werke an, die ebenfalls poetische Titel tragen. Unüberhörbar ist die Bezugnahme auf die Tradition auch hier: Schließlich verweisen schon die Worte "Gedicht" und "Maler" auf die synästhetischen Bestrebungen jener Romantik, deren Nachklang Widmungsträger Renaud Capuçon in bittersüßen Phrasen beschwor. Dabei ist Rihms Musik nicht direkt antimodern, sie evoziert vielmehr die Anfänge einer Moderne, die mittlerweile auch schon zum Sehnsuchtsort einer nostalgischen Rückschau geworden ist. Die Wiener Symphoniker fungierten hauptsächlich als Verstärkung und Resonanzraum für die Farben des Soloinstruments.

Ausspielen konnte das Orchester sein Potenzial anschließend in Dvořáks Achter Symphonie, die Philippe Jordan mit souveräner Übersicht dirigierte. Als Ausklang dieses Konzerts im Rahmen der neuen Reihe "Fridays@7" diente Kammermusik im Foyer.

Konzert

Wiener Symphoniker

Renaud Capuçon (Violine)

Philippe Jordan (Dirigent)