Elliott Carter: Das war jener amerikanische Komponist, der rund ein Dreivierteljahrhundert lang und noch als 100-Jähriger komponiert hat. 1942, als er seine Erste Symphonie geschrieben hat, war er schon 34. Was für eine Musik: die Melodien eingängige Melodik, die Machart neoklassizistisch, und dazu eine in den Kontrapunkt versessene Handwerklichkeit, die ein wenig an Hindemith erinnert. Die eine und andere Episode ist wirklich pfiffig, aber vieles wirkt auch geschwätzig und ein wenig umständlich. In Summe eine Musik, die tierisch nervt. Aber Carter ist nun einmal ein zentrales Thema der Salzburger Mozartwoche.

Spaß und Wirkung


Die Wiener Philharmoniker unter Andrés Orozco-Estrada (für ihn ein Salzburg-Debüt) haben sich der Sache angenommen. Gleich noch ein Rarissimum: Ein gewisser Gaspar Cassadó, spanischer Cellovirtuose, hat aus Schuberts Arpeggione-Sonate ein post-romantisches Cellokonzert gemacht. Gautier Capuçon war am Mittwoch im Großen Festspielhaus ein Anwalt dieser wirkungsvollen Rarität, die dem Orchester gar nicht schlechte Optionen bietet. Mit Schubert hat das ganz wenig zu tun, aber wer will den Puristen raushängen, wenn Musik Spaß und Wirkung macht?

Nach der Pause weitere "Erste" Symphonien: Mozarts Es-Dur-Jugendwerk KV 16, für das Orozco-Estrada das Orchester zu alert rhetorischer Artikulation anstachelte. Und dann noch Schuberts Start in die Symphonienwelt (D-Dur, D 82). Leicht im Ton, genau in Phrasierung und Gewichtung. Man konnte fühlen: Die Philharmoniker und der Tonkünstler-Chef können einander wirklich gut leiden.

Konzert

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Salzburger Mozartwoche