Das Label The Flenser entwickelt sich mit Beharrlichkeit zu einem Garanten guter Musik. Pallbearer, Mamaleek und Wreck and Reference sind nur einige Namen, deren Musik das Potenzial hat, uns noch länger zu begleiten. Nun hat es auch den Southamptoner Mat Sweet zu den Kaliforniern verschlagen. Dies mag insofern überraschen, als der unter seinem Alias Boduf Songs agierende Brite alles andere als schwer verdauliche Kost auftischt, und eher mit einem warmweichen Daunenbettenklang verwöhnt. Zwar beginnt "Stench Of Exist" mir einer irrlichternden Kakophonie im Stile Xiu Xius, doch bereits im Anschluss werden die erkenntnistheoretischen Überlegungen von "My Continuing Battle With Material Reality" in sanfte Elektronikgehäuse verpackt.

Der klassische Singer-Songwriter hat insofern ausgedient, als jedes gute Songwriting sich heute seiner Herkunft bewusst sein muss und damit zu einem Rewriting eines mikroskopischen Teils der Musikgeschichte wird. Wo dies nicht gelingt, treiben akustische Zombies ihr Unwesen. Mit dieser Gefahr spielend, taucht Sweet, wie etwa in "Head Of Hollow-Fill And Mountaintop Removal", nahe in Psychic-TV-Gewässer - mit Ambient- und Dooman-klängen. Dazu lässt sich eine verwunschene, moosig-feuchte Waldlandschaft vorstellen, durch deren Geäst die Sonnenstrahlen von in Manier eines Slow-Trip-Hops oder in Gestalt eines entschleunigten Tribal-Dance-Rhythmus funkeln. Um den Hörer im Dickicht des musikalischen Unterholzes zu fangen, bedient sich Boduf Songs spiralenartig angeordneter Arrangements und akustischer Collagen. Manches Stück erinnert dabei eher an ein Ohrentheater.

Jedenfalls gelingt es Mat Sweet auf seinem sechsten Album, einschmeichelnd zu verführen. Man könnte sich in einige verwandte Paralleluniversen derartiger Musikkunst versetzt fühlen, etwa in jenes des David-Sylvian-Projekts Nine Horses, das mit einem ähnlich hermetisch-intimen Klangraum aufwartet - muss man aber nicht. Und darf sich einfach in diesen verzauberten Klangwald entführen lassen.

Boduf Songs: Stench Of Exist (The Flenser)