Was für ein Wienerisches Programm, das die Besucher des Philharmonischen Abonnementkonzertes begrüßte: bei Anton Bruckner, Joseph Marx und György Ligeti handelte es sich um drei Ausnahmekünstler, die mit dem Musikleben der Donaumetropole besonders verbunden waren. Und deren Wirken mit diesen Interpretationen lebendig nachhallte. Freilich, Marx‘ konservatives Schaffen fiel dem zeitgeschichtlichen Diskurs rund um posthum lang verbreitetes, wenn auch entkräftetes Nazitum und extreme Ablehnung durch die Avantgarde nach 1945 zum Opfer. Seine "Alt-Wiener Serenaden" erklangen aktuell als schönes Zeugnis einer untergegangenen Traditionalistenära, voller mysteriöser Klänge, die nicht nur in der Formenlehre, sondern auch in der Melodik des Barock beheimatet waren. Gänzlich konträr leuchtete da Ligetis Kernstück von den "Atmosphères", dieser sphärische Rausch, der sich gegen alle üblichen Muster stellte und ebenso aktuell mit vielen raffinierten Themeneinwürfen Staunen machte.

Die staunenden Münder, pardon Ohren, durften offen bleiben: Maestro Zubin Mehta und die Wiener Philharmoniker machten Bruckners Neunte zu einem rundum vereinnahmenden Ereignis. Bereits im Eröffnungssatz "Feierlich" wurde jeder Moment der Rückung zu einer faszinierenden Entscheidung. In welche Richtung würde Klangkonvolut nun wieder getrieben werden? Das Scherzo erschien als gespenstisch gute Waldszene voller quirliger, perfekt intonierter Geigen-Gnome. In den Unisoni der Streicher saß einfach jeder Ton, das machte ebenso das finale Adagio deutlich. Dankbarer Applaus.