Den Blumenschmuck gibt es noch, die Fernsehübertragung ebenfalls. Und doch: Ein "Neujahrskonzert des kleinen Mannes" wollen die Symphoniker mit ihrer traditionellen Frühjahrsgala im Musikverein nicht mehr ausrichten.

Wer will schon zweite Philharmoniker sein? Philippe Jordan, neuer Chefdirigent, lehnt dies dezidiert ab, schnitzt energisch am Orchesterprofil und hat zu diesem Behufe auch dem symphonischen Frühjahrstermin einen Aufputz angedeihen lassen. Kein kunterbunter Melodien-Strauß mehr: Stattdessen heuer ausschließlich Musik Franz Schuberts, dessen Symphonien sich ohnedies als roter Faden durch die Saison schlängeln und dem Orchester neuen Spielraum auf dem Terrain der Klassik verschaffen sollen. Quasi als Qualitätsgütesiegel beim "Frühling in Wien" mit dabei: Bariton Matthias Goerne, Großmeister der karamellweichen Legatobögen.

Zwar weiß man: Dieser hornartige Gesang kann auch von verständnishemmender Wirkung sein. Hier erweichte er aber vor allem des Hörers Herz: Feinnervig in den Raum gestellt, zeitigten Lieder wie "An die Musik" (Orchesterfassung: Max Reger) oder "Fischers Liebesglück" (schlankes Arrangement: Alexander Schmalcz) Momente von sanfter Sogkraft. Umrahmt waren diese insgesamt acht, leichthändig zusammengemischten Lieder von einem orchestralen Allerlei. Zwar mochte man dabei die Ouvertüre in D-Dur sehr luftig nennen, die Ballettmusik Nr. 2 aus "Rosamunde" gar schon unerheblich. Der Entr’acte aus dem Schauspiel und die Dritte Symphonie bestachen aberumso mehr, als Jordan hier Substanz mit behutsamen bis nassforschen Akzenten auszuspielen wusste.

Konzert

Wiener Symphoniker

Frühling in Wien; Musikverein