Ein schallstarker Parsifal war er jüngst an der Staatsoper, demnächst kredenzt Johan Botha in einem Konzert Ohrwürmer. - © Staatsoper/Pöhn
Ein schallstarker Parsifal war er jüngst an der Staatsoper, demnächst kredenzt Johan Botha in einem Konzert Ohrwürmer. - © Staatsoper/Pöhn

Wien. Ein Freund von Interviews ist er nicht. "Ich lasse meine Stimme auf der Bühne sprechen. Das ist meine PR", sagt Johan Botha. Keine Frage, auf diese Schallmacht kann er vertrauen: Der wuchtige Heldentenor des Südafrikaners begeistert regelmäßig an den großen Opernbühnen. Dass sich Botha ungern näher an Journalisten heranwagt, hat aber auch mit gewissen Erlebnissen zu tun. "Ich habe", blickt der 49-Jährige zurück, "in meinem Leben schon ein paar Probleme nach Interviews gekriegt." Man hätte ihm die Worte so "gedreht", dass er danach "eher eine Entschuldigung schreiben musste, als dass es mir gut getan hat".

Geboren, um zu unterhalten


Derzeit macht Botha ein paar Ausnahmen. Der Grund: Ein Benefizkonzert für sein Heimatland, genauer gesagt für ein Kinderspital, das in Johannesburg entstehen soll. Der Sänger gibt dafür am 20. April, gemeinsam mit der jungen Landsmännin Pretty Yende, einen Galaauftritt im Konzerthaus. Begleitet vom Wiener Kammerorchester, servieren der Tenor und die aufsteigende Sopranistin Ohrwürmer aus Operetten und italienischen Opern. Der Wagner-Star ausnahmsweise als Sprachrohr süffiger Melodien? Botha: "Pretty Yende macht derzeit eine Bombenkarriere, steht aber noch relativ am Anfang"; er dagegen arbeite schon deutlich länger. "Das Repertoire, das ich singen kann, ist darum nicht das gleiche. Wir haben uns in New York getroffen und über das Programm geredet. Dabei wollten wir vor allem Musik wählen, die in Österreich beliebt ist."

Unterhaltung spielt bei dem Konzert, das Nelson Mandela gewidmet ist, also die erste Geige - verständlich, will man im Namen der guten Sache doch möglichst viel Geld sammeln. Botha hat aber auch sonst kein Problem mit dem Wort. "Für mich geht es immer um Entertainment. Dafür bin ich geboren worden. Mit fünf habe ich meinem Vater gesagt, ich will Opernsänger werden, mit zehn habe ich angefangen, Gesangsunterricht zu nehmen." Der Rest ist, wenn man so will, Operngeschichte: 1990 ist der junge Sänger nach Europa, vorerst Deutschland, gezogen; auf die ersten Engagements folgte bald die Weltkarriere. Heute hat der Globetrotter und Stimmgigant seinen Hauptwohnsitz in Wien.

Aber nochmals zurück in das Jahr 1990: Das Ende der Apartheid zeichnete sich in Südafrika ab. Wie hat der heranwachsende Sänger dieses System erlebt? "Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen, hatte auch schwarze Freunde. Ich konnte nicht gegen das System ankämpfen, sonst wäre ich im Gefängnis gelandet." Das hätte ihn nicht zuletzt seine Karriere gekostet: "Ich musste meinen Polizeiregisterauszug sauber halten - er war das Erste, wonach ich in Europa gefragt worden bin."