Darf man der US-amerikanischen Presse glauben, klingt das Philadelphia Orchestra seit der Amtsübernahme durch Chefdirigent Yannick Nézet-Séguin besser denn je. Nach dem Gastspiel des Traditionsklangkörpers, der in Übersee zu den "Big Five" zählt, wollte man dieser Einschätzung jedenfalls nicht widersprechen. Der Begrüßungsabend im Goldenen Musikvereinssaal gehörte der großen russischen Musikliteratur: Schostakowitschs a-Moll-Violinkonzert geriet zum Dialog zwischen einem perfekt intonierenden, das gesamten Dynamikspektrum ausschöpfenden Orchester und der außergewöhnlichen georgischen Stargeigerin Lisa Batiashvili. Gerade noch in den skurrilen Momenten des eröffnenden Notturno unterwegs, ergoss sich der Klang der Sologeige bald im gegenteiligen, energischen Scherzo. Schostakowitschs op. 77 besticht durch seine vielen, beinahe überwältigend melodiösen Momente. Überwältigend auch die finale Burlesque.

Ein Geburtstagsgeschenk
für Tschaikowski

Breites Pathos erfüllte dagegen Tschaikowskis Fünfte Symphonie. Zumindest das einleitende Andante lebte von Generalpausen, umso rascher ging es ins Allegro con anima über. Immer intensiver lebte das Philadelphia Orchestra in der dichten Linienführung des Werkes auf, unterstützt von exakt agierenden Blechinstrumenten und Holzbläsern. Ein durchwegs persönlich dargebrachtes Geburtstagsgeschenk zu Tschaikowskis 175er aus Übersee, interpretiert in Wien.