Zwei Ausnahmemusiker, denen das Vergnügen an der Sache ins Gesicht geschrieben stand. Im Duo sind Deutschlands Stargeigerin Nummer eins Anne-Sophie Mutter und ihr kongenialer US-amerikanischer Klavierfreund Lambert Orkis bekanntermaßen unschlagbar. So auch beim aktuellen Wiener Gastspiel im Goldenen Musikvereinssaal: Da konnte manch verschmitzte Nuance in der Linienführung zum eröffnenden Allegro amabile in Brahms’ op. 100 einfach so dastehen; ebenso überzeugte das unglaublich intime Adagio zu Beethovens letzter Violinsonate, dem populären G-Dur-Werk.

Wie subtil und meisterhaft aufeinander eingespielt sich die beiden Musiker im op. 96 zeigten, verwunderte nicht. Viele Gäste werden sich bestimmt an die Gesamtaufnahme von Beethovens Violinsonaten aus dem Hause Mutter/Orkis erinnert haben: Der Bestandteil der Referenzaufnahme aus dem Jahr 1998 funktionierte nun auch live in Wien.

Impressionistischer Zauber


Zum vielschichtigen Ausritt wurde Ottorino Respighis h-Moll-Violinsonate von 1916/17: Schon der Kopfsatz im Moderato geriet zur Hochromantik par excellence, das Klavier begrüßte die staunenden Zuhörer des Andante espressivo mit einem impressionistischen Klangzaubersolo. Die beiden Künstler zeigten den Weg ins 20. Jahrhundert umglänzt von einem vollen Spektrum an Emotionen auf. Diesen Weg hielt Mutter auch im Finale durch: Maurice Ravels "Tzigane" gelang als Feuerwerk an Gefühlsausbrüchen. Begeisterung und Zugaben.