Seit rund 20 Jahren gibt es Novi Sad schon. Da scheinen die bislang fünf regulären Alben nicht übertrieben viel. Aber abgesehen davon, dass Sängerin und Haupt-Texterin Evelyn Blumenau als Schauspielerin, Performancekünstlerin und Autorin viele interessante Projekte betreibt, kommt man mit diesen Platten ob ihrer Nachhaltigkeit gut über die Runden.

Als Chansons werden die meist ausladenden, folkloristischen, vielseitigen Songs gerne bezeichnet. Der Name der Band, die nach der serbischen Stadt nahe der Mündung der Theiß in die Donau benannt ist, darf durchaus programmatisch verstanden werden: Durch regelmäßige Auftritte in Ungarn, Bulgarien, Rumänien oder Georgien und einen intensiven Austausch mit Musikern aus diesen Ländern hatte Novi Sad-Musik lange vor dem grassierenden Balkan-Hype einen osteuropäischen Einschlag, der zugleich so etwas wie das Erkennungsmerkmal des Quintetts ist. Genauer gesagt ist sein Wesen eine unkonventionelle Internationalität, die sich nie an stilistischen Rahmungen der sogenannten Weltmusik oder enger definierten ethnischen Idiomen festmachen ließ. Die Texte frönen seit jeher der Vielsprachigkeit; in "Hagazussa", dem "verhexten" Opener des neuen Werks "Rise", kommen die Worte aus dem Englischen, Mittelhochdeutschen, Italienischen und Isländischen.

Das sechste Novi Sad-Studio-Album ist als Doppel-CD angelegt. Das Format suggeriert ein wenig das Streben nach dem großen Wurf, dem opus magnum. Die Platte ist es ansatzweise tatsächlich. Im Prinzip ist "Rise" ein Requiem, denn es ist einem Freund der Band, Iannis Minopulos, gewidmet, der trotz Ganzkörperlähmung per Sprachsteuerung Computerbilder für Cover und Booklet entworfen hat und vor einem Jahr gestorben ist. Mit dem auf beide CDs verteilten, in zwei Partien gesplittenen Stück "At Iannis Place" enthält es auch eine eindrückliche instrumentale Erinnerung.

Trotzdem klingt durch alle Melancholie und Getragenheit ein ausgelassener, für Momente sogar fast übermütig anmutender Pop-Appeal. Das schon erwähnte "Hagazussa" fließt auf einer schönen Akkordeonwelle und weckt klanglich entfernte Assoziationen zu Element Of Crime. Die Schwächen liegen in den "experimentellen" Passagen, die wohl die Vielseitigkeit und Entdeckungsfreude der Band exponieren wollen, ihr aber immer mal wieder entgleiten. Glücklicherweise sind solche Momente auf "Rise" selten. Auf die nächsten 20 Jahre!

Novi Sad: Rise (Extraplatte)