Fast ist es, als hätten Khatia Buniatishvili und ihr Steinway eine Liebesbeziehung. Lustvoll sausen ihre Hände auf die Tasten nieder, während sie den Kopf in den Nacken wirft, manchmal zeichnet sich auch ein leises Lächeln auf ihren Lippen ab, wenn sie kleine Noten besonders kokett aus dem Flügel kitzelt. Dabei erweist sie sich als Künstlerin, wenn es darum geht, die Klangfarben zu dosieren: ausgewogen, warm, farbenfroh und klar. Maurice Ravel, Franz Liszt und Igor Strawinski bilden das Programm dieses sinnlichen Abends im Musikverein.

Die junge georgische Pianistin zeigt sich voller Energie, arbeitet Motive gut heraus (wenn auch Tremoli ein wenig unscharf wirken), kann aber auch, so etwa bei Ravels "Gaspard de la nuit", langsame Tempi bis zum Extrem hin ausreizen, ohne dass dadurch Spannung verloren ginge, und steigert sich schließlich im dritten Teil zu einer kleinen Gefühlsexplosion. Den Zwischenapplaus gar nicht erst ausklingen lassend, stürzt sie sich sogleich ins nächste Werk: Liszt, dessen Virtuosenfutter sie vergnügt verschlingt. Leichtigkeit wäre jedoch das falsche Wort, vielmehr legt sie in die "Réminiscences de Don Juan" eine kantige Schwere oder Tiefe, aus der Charakter erwächst. Ein eigenwilliger Charakter, der auch und vor allem in der "Ungarischen Rhapsodie" zu spüren ist. Kleine Unsauberkeiten tun dieser individuellen Form der Musikalität keinen Abbruch. In Strawinskis "Trois mouvements de Pétrouchka" ist dann in Tempo wie Individualität der Höhepunkt erreicht, schwarze Locken fliegen gemeinsam mit Händen durch die Luft, die dem Zuhörer stellenweise wegbleibt. Begeisterter Applaus.