Eine Fee, eine Peri, Kind eines gefallenen Engels und einer Sterblichen, möchte Zugang zum Paradies erhalten. Keine ihrer Opfergaben genügt. Erst die Tränen eines reuigen Sünders bringen eine Wendung. Der deutsche Komponist Robert Schumann fand diese Geschichte in "Lalla Rookh" des irischen Dichters Thomas Moore. Der irische Nationaldichter hatte sich in dieser Kunstmärchensammlung der unkritischen Orient-Schwärmerei der Zeit und der Sprache Lord Byrons hingegeben.

Beschäftigung mit Bach

Schumann war von diesen Geschichten tief beeindruckt. Gemeinsam mit Emil Flechsig erarbeitete der Komponist auf der Basis der Peri-Erzählung das Libretto zu einem Oratorium. Das individuell identifizierbare Personeninventar reduziert Schumann auf die Peri und den Erzähler, alle anderen Rollen auf das gewohnte Solistenquartett. Vielleicht ist für diese Anlage Bachs "Johannes-Passion" Pate gestanden. Immerhin hat Schumann Bach Passion bearbeitet. 1843 erfolgte die umjubelte Uraufführung in Leipzig. Bis 1945 hielt sich das Werk kontinuierlich auf den Spielplänen des deutschsprachigen Raums. Erst der Missbrauch durch die Nationalsozialisten, die den Opfertod für ihre Zwecke politisch umdeuteten, ließen die Aufführungen nach Kriegsende selten werden.

Die Wiederbelebungsversuche der jüngeren Zeit, so auch durch Nikolaus Harnoncourt, erwiesen jedoch die ungebrochene Kraft dieses Werkes. Dirigent der nun in Ö1 gesendeten Konzertaufzeichnung ist Sir Simon Rattle, der hier wieder einmal Randbereiche des Repertoires erforscht.