Während Richard Strauss’ symphonische Dichtung "Also sprach Zarathustra" mit der berühmten, majestätischen Einleitung auch außerhalb der Klassikwelt bekannt ist, gibt es für ein interessiertes Konzertpublikum nur relativ selten die Gelegenheit, sich mit Olivier Messiaen auseinanderzusetzen. Um so erfreulicher, wenn das Dargebotene dann von so hoher Qualität ist wie am Dienstagabend zum Auftakt der Residenz des Cleveland Orchestra im Wiener Musikverein: Ruhig und bestimmt führte Chefdirigent Franz Welser-Möst durch die vier Meditationen "L’Ascension" über die Himmelfahrt Christi, beleuchtete Details, ohne je den Fluss der Musik zu vernachlässigen, würzte im zentralen dritten Satz zu energiegeladenem Drive und ließ subtile Momente der Innerlichkeit entstehen.

Dem Frühwerk des knapp 24-jährigen Messiaen folgte mit "Couleurs de la Cité Celeste" ein Werk von 1963 für Klavier, Bläserensemble und Schlagwerk, bei dem Joela Jones als Erste Pianistin des Cleveland Orchestra den Klavierpart als Teil eines Ensembles aus hochpräzise spielenden Individuen übernahm. Erfrischend lebendig und sehr bunt ist der Himmel bei Messiaen.

Nach der Pause dann also "Zarathustra", bei dem das Cleveland Orchestra sich als prachtvoller Klangkörper mit hervorragenden Solisten präsentieren konnte; Franz Welser-Möst kostete die Dramatik aus und sorgte für eindrucksvolle Übergänge. Er und die Musiker wirkten am Ende des Konzertabends so relaxed, als hätten sie sich gerade erst warmgespielt. Großer Jubel.