Seit fernen Studientagen bilden der Bariton Christian Gerhaher und der Pianist Gerold Huber ein Duo, das sich seine gefeierten Liedprogramme mit großem Ernst und viel Gefühl erarbeitet. Unter dem Titel "Wiener Schule" präsentierten die beiden im Konzerthaus eine Abfolge, die sich, abgesehen von einer abgeänderten Auswahl von Haydn-Liedern, mit einer ihrer CD-Einspielungen deckte ("Ferne Geliebte", 2012).

Intensiver noch als auf dieser Aufnahme dominierte in Gerhahers Stimmführung ein zarter, nach innen gekehrter Ausdruck, der an Schlüsselstellen von dramatischen Ausbrüchen durchbrochen wurde. In Ludwig van Beethovens Zyklus "An die ferne Geliebte" erfolgte dieser größtmögliche Kontrast erst in der letzten Strophe, in der die zärtliche Hoffnung eines Verliebten auf seine Verehrte der Einsicht der Unerreichbarkeit weicht. Anders im Schönberg-Zyklus "Das Buch der hängenden Gärten", dem Gerhaher in einem Programmheftstext eine "enorme emotionale Fallhöhe" in der Mitte des Werks bescheinigte, was er in besagtem Text nicht nur anhand einer dramaturgischen Linie in Form einer überschlagenden Welle visualisierte, sondern auch vokal eindrucksvoll bewies.

Vier englische, teils flotte Haydn-Kanzonetten lockerten das Programm ein wenig auf, bevor Alban Bergs Fünf Orchesterlieder (Op. 4) in einer von Huber bearbeiteten Klavierfassung erneut für hohe emotionale Intensität sorgten. Grubers geschmeidige, innige Begleitung unterstrich die einzigartige Klasse dieses Duos.

Konzert

"Wiener Schulen"

Liederabend mit Christian Gerhaher (Bariton) und Gerold Huber (Klavier); Konzerthaus