Intensiver, höchst eigenwilliger Wiener Liedgesang stand bei Kammersänger Ferruccio Furlanettos Soloabend im Haus am Ring auf dem Programm. Berühmt ist der Sänger auch für seine sonoren Bässe - die er in Schuberts ihm hörbar nahegehenden Liedvertonungen der Wilhelm Müller Texte voll auskostete. Die Sammlung der "Winterreise" ist schon per se reichlich deprimierend. Dank der stimmlichen Untiefen glitt sie noch weiter hinab in jenseitige Welten - und geriet auch dadurch bisweilen bis zur Unverständlichkeit. Gerade die erste Serie war durch eine gewisse Unsicherheit in Diktion, Sprachfluss und Emotionen bestimmt. Sein ukrainischer Begleiter am Klavier Igor Tchetuev bot eine solide, aber nicht rettende Rückendeckung. Höhepunkt des Beginns war jedenfalls "Auf dem Fluss" - hier lebte der italienische Starsänger einen echten, besonders intensiven Bühnenmonolog à la "Boris Godunow".

 Zum Finale schließlich das große Aufatmen: aus immer intimer, gerade dadurch authentischer werdenden Momenten (die "Täuschung" als besonders inniger, wenn auch hoffnungsloser Moment) weitergehend, untermauerte Furlanetto in den vier letzten Liedern vom sehr fernen "Wirtshaus" bis zum schauerlich schönen "Leiermann" seinen so persönlichen Schubertzugang. Im "Mut" gelang ihm eine letzte, zuversichtliche Ansprache an das Publikum, die Furlanetto, den Bühnenmenschen, der alle zu bannen versteht, zeigte.