Eine Einladung, wie sie deutlicher nicht sein konnte: Kaum hatte Elisabeth Leonskaja am Klavier Platz genommen, war das Publikum stiller Gast eines intimen Gesprächs zwischen Pianistin, Instrument und Komponist. Die Grande Dame der russischen Klavierschule hat Franz Schubert bekanntlich schon länger einiges zu sagen. Spätestens seit 1979, als sie die Wienerstadt zur neuen Heimat erkor, widmet sie sich einem umfassenden Schubert-Klang. Der ist über die Jahre immer persönlicher geworden. Voller Esprit kämpfte die aus Tiflis stammende Meisterpianistin im Eröffnungsallegro zur frühen H-Dur-Sonate D 575 mit der Komplexität der Partitur. Mit welcher beinahe genialen Nonchalance sie über die Läufe des Scherzos huschte: Leonskaja fand auch dieses Mal im Mozart-Saal immer den richtigen Ton.

Genau dieser machte dank ihrer schlichten, gesangsvollen Herangehensweise selbst die unfertige, geheimnisvolle "Reliquie"-Sonate D 840 leicht verständlich. Höhepunkt des Abends wurde, der Popularität des Werks entsprechend, die G-Dur-"Fantasie-Sonate" D 894.

Fern der Oberflächlichkeit

Leonskaja tauchte mit einer berückenden Selbstverständlichkeit durch die verschiedenen Themenwelten: Gerade noch im Melodiendickicht des Anfangs versunken, drehte sie bald durch das bezaubernde Biedermeier-Trio ihre Pirouetten. Deutlichster Beweis für ihren zutiefst persönlichen, fern jeder Oberflächlichkeit gewachsenen Zugang zu dem Wienerischsten aller Komponisten wurde das Andante aus D 894: So viel Schubert-Verständnis in aller Einfachheit machte nachdenklich still.