Vom Kritikerpapst Eduard Hanslick ist die Frage überliefert, ob es nicht auch eine Musik geben könne, die man "stinken hört". Seltsam, aber: Am Dienstag meinte man im Wiener Konzerthaus tatsächlich, so etwas wie riechenden Klang zu erleben. Mit einem süßen, pickigen Parfüm allerdings.

Absender war der 33-jährige Lang Lang. Ein Mann der Superlative, zweifellos: Unter allen Pianisten dieses Planeten ist er der bestgeföhnte. Als Inhaber einer singulären Technik versteht er es außerdem, Extremwertaufgaben zu meistern. Wie zart lässt sich ein Ton in den Diskant tupfen? Wie hart kann man einen Akzent hacken? Wie soft lässt sich ein Hochgeschwindigkeits-Lauf abbremsen? Für all diese Fragen findet er, der Weltmeister des virtuosen Wie, eine rekordverdächtige Antwort.

Das Was aber ist hier egal. Eigentlich wäre am Dienstag ja das Klavierkonzert von Edvard Grieg auf dem Programm gestanden. Lang Lang aber zerlegt es zu Zirkusstückwerk. Hat diese Musik nicht auch mit Gefühlen zu tun? Sie teilen sich hier nur optisch mit. Das aber überdeutlich: Die blasierte Mimik des Chinesen, sie wirkt wie ausgeborgt aus einem Rosamunde-Pilcher-Film. Mit dem Kopf längst in den Trockeneiswolken des globalen Showbusiness, scheint der Grammy- und Olympia-Pianist Lang Lang vor allem von Manierismen getrieben. Und: von einer massiven Unterforderung. Vielleicht sollte er ja versuchen, die Klavierkonzerte der Romantik mit lediglich einer Hand zu spielen. Vielleicht hörte man dann so etwas wie Mühe. Intensität. Musik.

Hölzerne Brahms-Ödnis

Dass seine Begleiter (das National Symphony Orchestra Washington unter Christoph Eschenbach) auch im Alleingang entseelt klingen, erwies sich danach in Form eines hölzernen, blassen Brahms (Erstes Klavierquartett, Orchesterfassung Arnold Schönberg): Ein Abend, der mit Christopher Rouses "Phaethon"(1986) immerhin kraftvoll rumpelig begonnen hatte, war am Ende.