Auch jenes Gerät, das den "Atem Gottes" befördert, braucht ab und zu ein Service: Die Wiener-Konzerthaus-Orgel, mit 8696 Pfeifen die angeblich größte ihrer Art auf dem europäischen Festland, wurde generalüberholt. Das Update habe nicht zuletzt einer modernen Elektronik gegolten, erzählte Solist Martin Haselböck am Montag bei der Wiederinbetriebnahme dieses tönenden Goliaths.

Bemerkenswert, dass dabei auch Kompositionen der Moderne angesetzt waren. Das hatte einerseits seinen Preis: Mit Werken von Arnold Schönberg, György Ligeti und Jehan Alain lässt sich - gerade im Problemfach Orgel-Solokonzert - kein großer Saal füllen, das war schon bis zur Pause deutlich sichtbar. Nichtsdestoweniger hatte dieser Abend sein Trumpfass, wurde doch ein Stück Friedrich Cerhas uraufgeführt, seines Zeichens 90-jähriges, lebendes Denkmal der österreichischen Komponistenszene.

Cerhas "Sechs Postludien" (2013-14) machen fallweise den Eindruck, als würden sie am Sockel des heiligen Ernstes rütteln wollen: Zwei Sätze im Zentrum - ein wurliges "Scherzino" und ein "Capriccio naturale" mit fiepsigem Geflöte und Toccata-Ausbrüchen - führen dem Werk eine fast verschmitzte Aura zu. Gleichwohl hat es Gewicht, wirkt dicht gewirkt etwa in seiner "Elegie", die bei aller Abstraktion an den Duktus einer zweistimmigen Invention erinnert. Wundervoll irritierend: Zwischen die Sätze stellt Hans Haselböck, Vater des Solisten, am zweiten Spieltisch Musik aus der Urzeit der Orgel und erzeugt so, gerade im Verbund mit der "Elegie", eine poetische Unschärfe. "Endlich Schluss" heißt dann Cerhas Finale; nach einem Beginn mit bockiger kleiner Terz trumpft es applausfördernd auf. Dankbarer Zuspruch eines Saals, der auf mehr hofft.