Nicht nur die Whiskeyflasche heilt den Schmerz der Einsamkeit: Florian Plock (l.) und Mark Omvlee im Salzburger "Brokeback Mountain". - © Anna-Maria Löffelberg
Nicht nur die Whiskeyflasche heilt den Schmerz der Einsamkeit: Florian Plock (l.) und Mark Omvlee im Salzburger "Brokeback Mountain". - © Anna-Maria Löffelberg

Zuerst heißt es, die Zähne zusammenzubeißen. Egal, ob Kojoten oder Wölfe, auf dem Brokeback Mountain geht es hart zu. Oder doch nicht so hart? Ennis und Jack lassen die Schafe, die zu bewachen sie angeheuert sind, Schafe sein. Sie vertreiben sich bald die Zeit gemeinsam im Zelt. Es bleibt nicht beim intimen Zug aus der Whiskeyflasche.

Der Rest ist bekannt, seit die Verfilmung der Kurzgeschichte von Annie Proulx durch Ang Lee 2006 drei Oscars eingeheimst hat: die Geschichte von zwei Cowboys, die in Liebe zueinander entbrennen, dann aber doch "bürgerliche" Ehen eingehen, Kinder zeugen.

Um das Unerfüllt-Sein aus der gelebten Unaufrichtigkeit den eigenen Gefühlen gegenüber, darum geht es. Aber hier sitzen wir nicht im Kino, sondern in der Oper. Gerard Mortier, Ex-Intendant der Salzburger Festspiele und bis zu seinem Tod 2014 für das Teatro Real in Madrid tätig, hat das Werk auf den Weg gebracht und die Uraufführung in Spanien noch erlebt. Annie
Proulx hat auch das Libretto selbst geschrieben. Der Amerikaner Charles Wuorinen (Jahrgang 1938) ist der Komponist.

Werk nimmt Fahrt auf


Im Salzburger Landestheater wird "Brokeback Mountain" als österreichische Erstaufführung und Uraufführung einer kammermusikalisch konzentrierten Version vorgestellt. Auch in der Oper heißt es Zähne zusammenbeißen am Berg. Es ist ja einen Akt lang so gut wie nichts los, außer dass zwei Männer zueinanderfinden: "Du heilst den Schmerz der Einsamkeit." Im Orchestergraben brodelt es umso betriebsamer. Charles Wuorinen schreibt einen expressiven, in der Melodik griffigen Stil, irgendwie die Zweite Wiener Schule fortschreibend. Jedenfalls in keinem Moment sentimental. Gerade in der bläserlastigen Kammermusikversion wirkt seine Musik holzschnitthaft. Wenn nach der Pause doch etwas Handlung ins Spiel kommt, wenn es sich zu reiben beginnt im Verhältnis der beiden Männer zu ihren Ehefrauen, nimmt das Werk deutlich Fahrt auf.

Es wird imponierend gesungen in der Salzburger Aufführung: Der Tenor Mark Omvlee ist Jack Twist, ein Draufgänger, wozu seine kernig-schlanke, bewegliche Stimmführung wunderbar passt. Florian Plock (Ennis) ist der Reflektiertere, Schwermütigere, Skrupulösere. Da findet es sich gut, dass er seinen Bassbariton erst zurückhaltend, fast verhaucht führt, dann aber markant und viril zulegt. Hailey Clark und Rowan Hellier sind die beiden Ehefrauen, starke Charaktere. Andrian Kelly ist am Pult des Mozarteumorchesters, leitet zu einem kräftigen, wenn man will: kerngesunden Musizieren an.

Vergebene Lebenschance


Regisseur Jacopo Spirei erzählt die Geschichte geradlinig und so schnörkellos wie nur möglich. Eva Musil hat ihm eine Bühne gebaut, die den Berg zuerst in felsigen Schrägen und einer mächtigen Wolken-Illusion greifbar macht. Die häuslichen Szenen bleiben quasi Episoden: Kleine Dekorationsteile, im Wortsinn "halbe" Räume werden herein- und eben so flugs wieder rausgefahren. Vom realen Brokeback Mountain bleibt zuletzt ein ziemlich läppisches Felsen-Ding gerade in der Höhe eines Stockerls: Wer eine Lebenschance nicht ehzeitig ergreift, für den marginalisiert sie sich.

Was diese Inszenierung nicht übertünchen kann: dass Charles Wuorinens Musik nicht wirklich die Befindlichkeiten der Protagonisten trägt oder vertieft, sondern sie eher deskriptiv fasst. Als Oper drängt sich die Sache nicht auf.

Oper

Brokeback Mountain

Von Charles Wuorinen (Musik)

Annie Proulx (Libretto)

Landestheater Salzburg

www.salzburger-landestheater.at

Weitere Termine bis 21. April