Da saß nun der chinesische Starpianist mit dem kurzen Namen, der nicht mit dem Nimbus des technisch perfekten Tausendsassas behaftet ist: seit seinem triumphalen Gewinn beim renommierten Chopin-Wettbewerb in Warschau (2000, mit 18 Jahren), gehört Yundi Li zur pianistischen Weltspitze.

Was nach volksrepublikanischem Kunstmarketing klingt, hat sich für die internationale Fangemeinde längst bewahrheitet. Im Konzerthaus erwies der Musiker seinem Namen als reflektierender Chopin-Kenner aktuell jede Ehre. Denn Vier Balladen und die nicht minder großen op. 28 Préludes boten einen guten Einblick in Yundis wissendes Künstlertum.

Zuerst zur überaus menschlichen Kehrseite: So wenig firm in Dynamik und Tonplatzierung die eröffnende g-Moll Ballade op. 23 wirkte, so vorsichtig kontrollierend hantierte sich der Pianist durch die F-Dur op. 38. Offenbar musste sich Yundi erst an den Saal gewöhnen und kämpfte, wenn auch wissend über die Ungereimtheiten hinwegwischend, zu Beginn des Rezitals mit Nervosität.

Sinneswandel

Anders lässt sich der offenkundige Sinneswandel im Verlauf des Balladenblocks nicht erklären: Die unglaublich intensiven As-Dur op. 47 sowie f-Moll op. 52 waren über jeden Zweifel erhaben. Derart stilsicher führte er so gekonnt in die späteren Präludien op. 28: Zauberhafte Perlenschnüre im C-Dur Agitato, das traurige e-Moll Liedlein, die mächtigen Akkorde des E-Dur Largo oder ein subtil historisches c-Moll Largo im Stil Couperins legten den facettenreichen Blick auf die vielen Bilder des Romantikers Chopin frei. Jubel.