Ausnahmsweise langte zum Errechnen der besetzten Plätze im Mozart-Saal bequem das kleine Einmaleins: Mit seinem Rezital scheint Nicolas Hodges die Motivation des durchschnittlichen Klassikfreundes auf die Probe gestellt zu haben. Der Pianist kombinierte zwei Komponisten, die im Standardrepertoire kaum eine Rolle spielen: Domenico Scarlatti und Salvatore Sciarrino, der einige Sonaten seines 300 Jahre älteren Landsmanns für Streichquartett bearbeitet hat und in seinen Opern häufig an barocke Ausdrucksprinzipien anknüpft.

Trotzdem stachen zunächst die Kontraste ins Ohr: hier die tastende Suche nach Klängen, dort die selbstverständliche Verwurzelung im Idiom der Zeit. Dort beredte Diesseitigkeit, hier auskomponiertes Schweigen. Im Vergleich zur Sensibilität des Pianisten im Zeitgenössischen bekam Scarlattis virtuoses Tastenspiel bei Hodges zudem etwas Mechanisches. Auf einer sinnlich nachvollziehbaren Ebene gelang die Verschränkung im zweiten Teil, wo Sciarrinos abgründige "Notturni" unmittelbar an Scarlattis empfindsame f-Moll-Sonate K. 69 anschlossen.

Am Beginn des Abends stand - noch vor dem wenig Vertrauten - das völlig Neue: eine Uraufführung von Raffaele Grimaldi, 2009 vom Konzerthaus zu dessen 100-Jahr-Jubiläum prämiert. "Studio
n. 1" des 1980 Geborenen ist eine konzentrierte Erforschung des Nachklanges samt dessen "unsauberen" Komponenten.

Ein Konzert ohne Klang-
wolken zum behaglichen Zurücklehnen. Man möchte derlei Ex-kursionen abseits ausgetretener Pfade mehr Aufmerksamkeit wünschen.