Direkter geht es nicht. Das fand ebenso das begeisterte Publikum, das mit Ovationen für einen weiteren Schubert-Abend der Grande Dame der Klavierkunst im Wiener Konzerthaus dankte. Elisabeth Leonskaja widmet sich seit ihrer Ansiedlung in Wien (das war 1979) bekanntlich intensiv dem Dialog, dem Verstehen des Wienerischsten aller Komponisten. Und an diesem Abend im Rahmen ihrer laufenden Konzerthaus-Personale bewies sie dem hiesigen Publikum einmal mehr, dass sie Schubert nicht allein versteht, sondern auch verstehen macht.

Hier drei Werke, die in einem Zeitrahmen 1816/17 entstanden – und die in ihrer Unterschiedlichkeit bestens zur Geltung kamen: die eigenwillige e-Moll-Sonate D 566 führte in all ihrem Dialogischen, dem Sprachfluss und den Melodien durch eine schöne Schauspielmusik des Biedermeier. Ganz Schuberts musikalischen Heroen verpflichtet, schritt Leonskaja durch die schwer klassische As-Dur D 557 (aber tänzelte im finalen Allegro). Gänzlich im Idiom des Komponisten unterwegs waren schließlich seine "Fünf Klavierstücke" D 459A - im Allegro patetico verschmolzen Pianistin und Publikum zu einer Einheit.

Diese alle verbindende Einheit wurde in der späten c-Moll-Sonate D 958 schließlich noch perfektioniert. Denn niemand konnte (und wollte) sich dem in seiner Einfachheit bestechenden Adagio oder gar dem faszinierend dahinfedernden Ritt des Finalsatzes entziehen. Das war schlicht miteinander erlebte Kunst.