Wenn man, wie Andris Nelsons, beruflich viel unterwegs ist, bleibt wenig Zeit für Privates. Der gebürtige Lette hat aber aus der Not eine Tugend gemacht und seine Frau, die Sopranistin Kristine Opolais, mit auf Tournee genommen - wovon nicht nur Nelsons, sondern auch das Publikum profitiert. Denn die Sängerin ist es, die dem russisch-französischen Abend im Musikverein den nötigen Glanz verleiht.

Nach einem freundlich schwungvollen Einstieg mit Schostakowitsch (Suite aus "Hamlet", op. 32a) hebt Opolais an zu Rachmaninows "Hier ist es schön" (op. 21/7) und entzückt mit einer warmen, klaren Stimmführung sowie einem angenehm trockenen und doch elegant-geschmeidigen Timbre. Abgerundet auch ihr Gesang in Tschaikowskis Briefszene der Tatjana aus "Eugen Onegin", die die Lettin mit viel Emphase verkörpert.

Unausgewogener Gesamtklang


Der Gesamtklang des Boston Symphony Orchestra aber überzeugt nicht durchgängig: Vielen Solisten wird hier zwar Raum geboten, sowohl in der ersten als auch in der zweiten Hälfte, doch wenn es um Ausgewogenheit etwa in Debussys "La Mer" geht, bleibt zwischen Holz-, Blechbläsern und Streichern einiges auf der Strecke. Frisch mögen es die einen nennen, dynamisch unfein oder gar chaotisch die anderen. Dabei wirkt Nelsons in seiner Zeichengebung insgesamt geerdet: Er dirigiert gesetzter, nicht mehr so hetzend. Große, weitschweifende Bewegungen sind jedoch auch für die Präzision in Ravels "La Valse" nicht förderlich.

Konzert

Boston Symphony Orchestra

Andrís Nelsons (Dirigent)

Musikverein