Diesmal mit Lied: Tenor Jonas Kaufmann. - © Staatsoper/Michael Pöhn
Diesmal mit Lied: Tenor Jonas Kaufmann. - © Staatsoper/Michael Pöhn

Ist der gefeiertste Operntenor seiner Zeit auch automatisch ein idealer Liedgestalter? Eine Frage, die sich jede Epoche neu stellt und die sich nur von Fall zu Fall entscheiden lässt. Eine Antwort ist in jedem Fall seht stark von der Auswahl der interpretierten Lieder abhängig. Aktueller Fall: Jonas Kaufmann und Pianist Helmut Deutsch mit Liedern von Gustav Mahler, Benjamin Britten und Richard Strauss in der Staatsoper.

Auf der Opernbühne gibt es in seinem Fach im Agenblick kaum einen herausragenderen Tenor als Jonas Kaufmann, auf der Konzertbühne bewegt sich der Münchner nicht ganz so souverän. Zumindest bei Gustav Mahlers "Liedern eines fahrenden Gesellen" zeigte sich, dass Kaufmann in der kleinen Form nicht ganz so zuhause ist wie im großen Gefühl. Er ist mehr ein feinsinniger Dramatiker als ein differenzierter Geschichtenerzähler. Die arios fließende Stimmführung in Benjamin Brittens Vertonung von sieben Sonetten Michelangelos lag Kaufmann da schon mehr. Er gestaltete die Miniaturen in ruhig und doch expressiv fließenden Bögen und dramatischer Dringlichkeit.

Doch erst bei Richard-Strauss-Liedern im zweiten Teil entfaltete Kaufmanns Tenor seine ganze Kraft - von der baritonalen, sonoren Tiefe über seine ungemein strahlende Mitte bis zur zerbrechlich zurückgenommenen Höhe. Sei es in den schwärmerisch üppigen Linien der "Zueignung", im gleißenden Licht von "Die Georgine" und in der glühenden Anklage von "Geduld". Auch das Zusammenspiel mit dem wunderbaren Pianisten Helmut Deutsch verdichtete sich im zweiten Teil.

Wie sehr ihm das Gestalten liegt, das zeigte Kaufmann allerdings erst bei den ausgiebigen Strauss-Zugaben, und ließ feine Nuancen, Pointen und auch Humor aufblitzen. Ein Abend, dessen Kostbarkeiten dem krönenden Schluss vorbehalten waren.