(irr) Schon der Titel verweist auf die Tradition, die Satzabfolge tut es nicht minder: Thomas Larcher hat seine "Zweite Symphonie" geschaffen, und sie ist, wie einst so Sitte, mit einem emblematischen Kopfsatz ausgestattet, einem singenden Adagio, einem drahtigen Scherzo und obligaten Finale. Schlecht? Mitnichten. Das Werk, beauftragt von der Österreichischen Nationalbank zu deren 200. Geburtstag, birgt Noten von bleibendem Wert - womit Hoffnung besteht, dass dem Stück ein Leben über die (Ur-)Aufführungstermine der Wiener Philharmoniker mit Semyon Bychkov vom Wochenende beschieden ist.

Starker Tobak


Erstaunlich vor allem, dass man sich in dieser zeitgenössischen Musik ohne vorheriges Seminar zurechtfindet: Fast schulmäßig wiederholt der Kopfsatz ein schroffes und ein lyrisches Thema, dann geht’s ins Dickicht der Verarbeitung. Wobei Larcher kein Mann der Anbiederung ist: Man kennt den Tiroler nicht zuletzt als Schöpfer schroffer, rhythmischer Keimzellen, und die lässt er auch hier im Verbund mit allerlei Gimmicks aus der Percussions-Wundertüte rattern und wuchern. Das fallweise Einschwenken in eine Dur- und Moll-Sphäre ist für das philharmonische Publikum natürlich Balsam.

Starken Tobak birgt freilich das Thema hinter dem Werk: Der Beiname "Kenotaph" (leeres Grab) soll an die aktuelle Flüchtlingstragödie gemahnen, und es ist dies womöglich der Grund für das seltsam kurze Ländlerglück im Scherzo, jedenfalls wohl aber für die Brüll-Akkorde und den verhauchenden Schluss im Finale. Zuletzt viel anerkennender Beifall (für Neues im "Philharmonischen" schon ein Triumph), gefolgt von einem süffigen Strauss-"Heldenleben".

Konzert

Wiener Philharmoniker

Semyon Bychkov