Wieder im deutschen Fach tätig: Anna Netrebko. - © Kirk Edwards
Wieder im deutschen Fach tätig: Anna Netrebko. - © Kirk Edwards

Ein Abend im Goldenen Musikvereinssaal, der nicht hochkarätiger besucht sein konnte. So waren im Publikum Juan Diego Flórez, Rudolf Buchbinder, Franz Welser-Möst und manch philharmonische Freunde, die eben keinen Staatsoperndienst hatten, zu erspähen. Alle wollten sie mit dabei sein, wenn La Netrebko im deutschen Fach zu erleben ist. Wobei: Was bisher äußerst selten vorkam, wird offenbar zur schönen Gepflogenheit. Gerade gab Netrebko in Dresden und im Mariinski-Theater die Elsa, nun gastierte sie mit Christian Thielemann in Wien. Anna Netrebko hatte sich entschieden, das Hohelied des spätromantischen Konzertfachs, die "Vier letzten Lieder" von Richard Strauss, hier zu interpretieren.

Was angesichts ihrer italienisch-russischen (Sprach-)Wurzeln manch einer als nette Verrücktheit abtun mag, entpuppte sich als höchst ernsthaftes Unterfangen. Hier die brillante, strahlend agierende Sächsische Staatskapelle Dresden und der alles bestimmende Generalmusikdirektor; da die immens kraftvolle, von warmem Timbre umschmeichelte reife Stimme der Diva - die den vier Klangwolken entsprechend durchwegs wortdeutlich agierte. Hesses Worte im "Frühling" lebten, während Eichendorffs "Im Abendrot" im ganzen Saal Gänsehaut verbreitete.

Dramatische Pracht

Ebenso fesseln konnte der weitere Stargast des Abends: Yefim Bronfmans Spiel bot in Beethovens Drittem Klavierkonzert den grandiosen Unisoni der Dresdner erhaben Paroli. Emotioneller Höhepunkt seiner Kunst wurde der immense Spannungsaufbau hin zum Largo. Zuletzt Strauss’ "Till Eulenspiegel": Mit vielen feinen Nebenstimmen ließen Thielemann und seine Sachsen noch einmal die ganze Pracht der dramatischen Musikdichtung hochleben.