Dass Robert Trevino am Dirigentenpult für den ursprünglich vorgesehenen Pablo Heras-Casado eingesprungen ist, erweist sich als wahrer Glücksfall. Der US-Amerikaner wählt die Tempi so, dass die Intensität der Werke ideal ausgeschöpft wird. Den Tönen wird Raum gegeben. Tschaikowskis symphonische Fantasie "Der Sturm" gelingt als überragendes Spannungswerk, das wohl noch einige Zeit nachwirken wird. Wundervoll, wie das Orchester zwischen Pianissimi und Fortissimi oszilliert, wie die drohenden Bässe das bevorstehende Unheil ankündigen und sich zwischendurch alles in ruhevollem Wohlklang auflöst. Spannung, die man gerne kaum erträgt.

Sonderapplaus gebührt auch Alice Sara Ott, die anschließend in Franz Liszts zweitem Klavierkonzert brilliert. Ein Klavierspiel, das dem Zuhörer Raum für eigene Interpretation lässt, klar, beinahe trocken und doch expressiv. Wundervoll auch die Passagen, in denen sie mit dem Cello in Dialog tritt, voller Poesie und doch nicht überspannt. Ott spielt mit einer gewissen Rauheit, die Liszt guttut, wenn auch sie teilweise ins Belanglose abgleitet. Etwa in der Zugabe (Schumann: Der Dichter spricht) auf einem, wie sie bemerkt, "Klavier, das am Ende seiner Kräfte ist".

Schließlich, in Dvořáks Symphonie Nr. 7, im Grundcharakter düster und kämpferisch, entfalten die Symphoniker ihre Klänge der großen Intensität des Werks entsprechend. Drängend spielen die Streicher gegen die weihevollen Melodien der Holzbläser an. Ein spannungsvoller Abend.

konzert

Wiener Symphoniker

Alice Sara Ott (Klavier)

Roberto Trevino (Dirigent)

Konzerthaus