Gustav Mahlers "Lied von der Erde", dieses unglaublich einfühlsame Meisterwerk auf chinesische Poesie, ist schon für zwei Sänger eine Herausforderung. Für sein aktuelles Gastspiel bei den Wiener Philharmonikern übernahm Jonas Kaufmann die Parts von Tenor und Alt (bzw. Bariton) zugleich.

Herausforderung für den Solisten? Und wie! Genuss für das Publikum? Jedenfalls.

In pausenlosem Auf und Ab der Gefühlsregungen bewegte der Startenor sich und den restlos begeisterten ausverkauften Musikverein: Vom Jammer des menschlichen Seins erzählte er mit aller Inbrunst. Der intensive Auftakt der Gesangssymphonie wurde bereits zum kraftmäßigen Höhepunkt, genauso wie er sich in der Behaglichkeit der Jugend zauberhaft über den Teich hin zum grünen Pavillon bewegte. Düster, unglaublich düster und herrlich quälend wurden Bariton-Ausflüge etwa des "Einsamen im Herbst".

Jonathan Nott, dankenswerterweise für den erkrankten Daniele Gatti am Dirigentenpult eingesprungen, arbeitete fordernd die wichtigsten Orchestersoli heraus. Mag Kaufmanns berühmtes Timbre hier oft übertönt worden sein, wird es auf der Liveaufnahme bestimmt wesentlich effektvoller herauskommen.

Klassische Ergänzung für diesen philharmonischen Luxusabend boten Beethovens präzise ausgeführte "Coriolan"-Ouvertüre op. 62 wie Richard Strauss’ wehmütiges, von Nott und den Wienern geradlinig wiedergegebenes, sentimentales Heldenbild von "Tod und Verklärung".